Hackety hack hack

Atypisches Nutzerverhalten mit Rat und Tat.

Koreanische Esskultur

Ich wurde gebeten, für eine Veranstaltung der Botschaft der Republik Korea ein paar Worte für deutsche Leserinnen und Leser zu schreiben, um die koreanische Esskultur knapp zu erklären. Damit der schnell geschriebene Text nicht in der Versenkung verschwindet, packe ich ihn einfach mal hier in dieses Blog.

Die koreanische Esskultur hat, bedingt durch die Geschichte und Geographie des Landes, auf den ersten Blick einige Gemeinsamkeiten und bemerkenswerte Unterschiede zu den ostasiatischen Nachbarn. Das Essen ist oft feurig scharf und kräftig — Chili und Knoblauch prägen den Geschmack koreanischer Speisen. Grundlage einer koreanischen Mahlzeit ist der gekochte Reis (bap), der so wichtig und zentral für die Ernährung ist, dass er synonym für Essen allgemein verwendet wird: Wenn Koreaner einander fragen, ob sie schon zu Mittag gegessen haben, fragen sie “Hast du Reis gegessen?”

Neben dem Reis gehört zu einer koreanischen Mahlzeit eine Suppe und eine reiche Auswahl an Beilagen (banchan). Je nach Anzahl der servierten Beilagen bezeichnet man das Arrangement auf dem Esstisch als 3 cheop, 5 cheop, 7 cheop, 9 cheop oder 12 cheop bansang. 12 cheop ist in Korea für die traditionelle königliche Hofküche reserviert.

Unter den Banchan-Beilagen ist Kimchi am bedeutendsten. Kimchi ist eingelegtes und milchsauer vergorenes Gemüse (ähnlich dem deutschen Sauerkraut), das mit Salz und Chilipulver gewürzt wird und häufig aus Chinakohl zubereitet wird. Kimchi ist bei koreanischen Mahlzeiten so essenziell als Banchan, dass einige Koreaner ein Essen ohne Kimchi nicht als vollständige Mahlzeit ansehen. Ausser aus Chinakohl wird Kimchi auch aus anderen Gemüsen zubereitet, etwa Frühlingszwiebeln, Rettich oder Gurken. Der scharfe Geschmack von Chili, der so charakteristisch für die koreanische Küche ist, kam allerdings erst im 16. Jahrhundert dazu: portugiesische Seefahrer brachten die Chilischote aus Amerika auf die koreanische Halbinsel, wo sie begeistert aufgenommen wurde — zumindest begeisterter als die Versuche, die Bevölkerung zum Christentum zu missionieren. Neben dem Kimchi wird als Banchan oft Namul serviert: Namul nennt man gedünstetes, mariniertes, oder im Wok gebratenes Gemüse, das etwa mit Sesamöl, Salz, Essig, gehacktem Knoblauch, Frühlingszwiebeln, getrocknetem Chili oder Sojasauce gewürzt wird.

Hauptgerichte bestehen oft aus gebratenem Fleisch, wobei Rind, Schwein und Geflügel in Korea verzehrt werden. Marinierte Rippchen (Galbi) oder marinierte Fleischstreifen (Bulgogi) werden dabei oft am offenen Grill gebraten. Daneben schätzen Koreaner vor allem Fisch und Meeresfrüchte wie Oktopus oder Kalmar. In den buddhistischen Klöstern Koreas hat sich daneben auch eine eigene rein vegetarische Küche entwickelt.

Traditionell wird auf dem von der koreanisch Fußbodenheizung Ondol geheizten Boden sitzend von einem niedrigen Tisch gegessen. Dabei werden wie in anderen ostasiatischen Ländern Essstäbchen verwendet, die in Korea allerdings häufig aus Metall sind. Neben den Stäbchen wird im Unterschied etwa zu China und Japan unbedingt auch ein Metalllöffel gedeckt. Beim Essen werden soziale Regeln gepflegt, wenn man sich gegenseitig Getränke einschenkt und sich gemeinsam an den Beilagen der Tafel bedient. Koreanische Mahlzeiten spiegeln damit den Charakter der koreanischen Gesellschaft wieder: in ihrem dynamischen und feurigen Geschmack finden sich die ästhetischen Vorlieben der traditionellen Kunst, die anders als etwa die extreme Reduziertheit japanischer Ästhetik sehr lebhaft ist, ebenso wie sich in den Regeln und Hierarchien bei der Einnahme der Speisen die konfuzianische Gesellschaftsordnung beim Essen als sozialer Handlung erkennen lässt.

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Lesenswert dazu:

Phaidros und Sokrates treffen sich im Internet

Sokrates: Mein lieber Phaidros, wohin denn und woher?

Phaidros: Von Lysias, o Sokrates, dem Sohne des Kephalos. Und nun gehe ich spazieren vor die Stadtmauer hinaus. Denn ich habe vom frühen Morgen an die ganze Zeit dort sitzend zugebracht. Dabei folge ich deinem und meinem Freund Akumenos und mache meine Spaziergänge auf der Straße; denn, versichert er, diese seien gesünder als in den bedeckten Hallen.

Sokrates: Und mit Recht sagt er das, mein Freund! – Also war Lysias, wie es scheint, in der Stadt?

Phaidros: Ja, beim Epikrates, dort im Morychischen Hause, neben dem Olympion. Dort checkte er mit Foursquare ein.

Sokrates: Sag, hast du keine Sorge, wenn du arglos mir von Lysias berichtest, wo er sich aufgehalten und was er getan? Nun, da wir hier ins Internet sprechen, hört uns die ganze Welt. Mit welchem Recht entscheidest du, was Lysias will, was alle Welt erfährt?

Phaidros: Es hat mein lieber Lysias wohl ein Recht auf informationelle Selbstbestimmung, der hohe Rat zu Athen sprach es ihm und jedem freien Manne zu. Doch hat er auch ein Recht, der Nachwelt vorzuenthalten, was zu berichten wäre? Die Daten, die er einmal gab, sind nicht mehr seine, Geschichte sind sie geworden!

Sokrates: Mein Freund, soll denn das Recht der Geschichte schwerer wiegen als das eines Einzelnen? O Phaidros, ich müßte ja mich selbst vergessen haben, wenn ich den Phaidros nicht kennte! Aber das ist denn beides nicht der Fall. Gar wohl weiß ich, dass der, wenn er die Daten des Lysias sammelte, sie nicht nur ein mal loggte, sondern dass er sie sich öfters und wiederholt abrief, dieser aber ihm bereitwillig Folge leistete. Allein ihm war auch das nicht genügend, sondern zu guter Letzt hat er das Schriftchen zur Hand genommen und das, worauf er am meisten begierig war, noch nachgesehen. Und in diesem Geschäft vom frühen Morgen an sitzend, hat er sich endlich losgesagt, um einen Spaziergang anzutreten, so zwar, dass er, wie ich glaube, beim Hunde, die Daten schon auswendig wußte, wenn es nicht gar zu viele waren. Vor die Stadtmauer hinaus aber nahm er seinen Weg, um sie einzuüben. Da begegnete er nun dem Manne, der an der Sucht, Daten zu schauen, krank ist, und kaum hat er ihn erblickt, so freute er sich schon, dass er nun einen Mitschwärmer haben würde, und hieß ihn zugehen. Du sagst, du handelst für das Gute, Schöne und den Nutzen der Geschichte, doch weiss ich wohl, es treibt dich nur die eigene Gier, o postprivater Phaidros! Und auch ich selbst bin von der Gier erfasst, darum nur gibt es diese Regeln, die die Daten in die Schranken weisen.

Phaidros: Nein, keine Gier nach Geld und keine Schwatzsucht treibt mich an. Die Lieblichkeit der Daten selbst erfüllt mich. Wenn ich das Wahre, Gute, Schöne mehren will, so muss ich auch die Daten mehren! Nur durch den freien Fluß der Daten wird der freie Bürger frei, er kann sich bilden und die Welt begreifen. Wer Riegel vor die Daten schiebt, beschränkt den freien Menschen.

Sokrates: Doch mehrst du Wahres in der Welt, wenn du der Tyrannei die Daten wohlfeil zubereitest? Gewiss, der Rat dort in Athen ist weise, doch wird er es auf ewig sein? Wenn nun, was Zeus bewahre, der Rat ersetzt wird durch Tyrannen, so kann er schrecklicher und absoluter herrschen über uns als je vor ihm wohl die Tyrannis herrschte.

Phaidros: Wir wissen nicht, wohin die Welt sich wendet. Zur Freiheit jedes Bürgers, gespeist aus einem Quell der Daten aller Menschen, dem Wissen, das den Vätern noch unglaublich klang, oder der Tyrannei der Daten, die uns wie Schatten Tag und Nacht beherrschen. Und wo Beherrschung ist durch Daten, folgt die Beherrschung durch die Tyrannis bald. Ich weiss es nicht, o Sokrates. Ich weiss nur wohl, dass mein Herz ist erbrannt in Liebe, in knabenhafter Datenliebe zu dem, was eine schöne, neue Welt uns bietet. Der Mahner vor der Tyrannis der Datenschatten gibt es viele. Doch gibt es wen, der für die wahrhaft Verliebten zu den Daten spricht? Weisst du denn, Lehrer und Freund, welches die Richtung ist, die wir einschlagen?

Sokrates: Ich weiss, dass ich nichts weiss.

Was vom RSS-Reader übrig blieb

Ein paar Links, die in den letzten Tagen an mir vorbeipurzelten:

Gute Technik, böse Technik — Evgeny Morozovs Abrechnung mit Jeff Jarvis

Unter dem Titel “The Internet Intellectual” hat Evgeny Morozov eine lange Kritik an Jeff Jarvis’ neuem Buch “Public Parts: How Sharing in the Digital Age Improves the Way We Work and Live” veröffentlicht. Um eine Buchkritik handelt es sich aber nur dem Anschein nach. Vielmehr nimmt Morozov eine Abrechnung mit Jarvis’ gesamten Denken vor. Jarvis wiederum antwortet zunächst auf Google+ und geht dann interlinear auf die Kritik ausführlich ein. Eine öffentliche Diskussion findet statt. Intelligente Kritik finde ich für die Debatte sehr wichtig und ich bin froh über die Form, in der sie hier geführt wird. Tatsächlich ist Morozov am überzeugendsten, wenn er die Schwächen im theoretischen Fundament von Jarvis aufzeigt. Die Ausführungen dazu, wie Jarvis die Habermasche Theorie vom Strukturwandel der Öffentlichkeit für die eigene Zwecke ins Gegenteil verkehrt und instrumentalisiert, nachdem er sie zunächst in einer simplifizierten Form rezipiert hat, fand ich erhellend. Jarvis muss zugeben, dass er hier theoretisch kein bisschen sattelfest ist:

I make it clear in the book that I am no Habermas scholar; I started reading him for this project.

Bemerkenswert finde ich, dass hier Habermas zum Maß aller Dinge gemacht wird — zumindest in meiner ganz persönlichen Sicht auf den gegenwärtigen Stand im deutschsprachigen akademischen Diskurs ist dessen Theorie von Privatsphäre und Öffentlichkeit aktuell zwar wichtig, aber letztendlich doch etwas altbacken und angestaubt. Ob durch die Übersetzung ins Englische das Wort von der “public sphere” vielleicht etwas reizvoller klingt, etwa durch das Bild einer kugelfischartigen Form, die die “sphere” evoziert?

Auch beim Ausblenden der politischen Ökonomie des Internets durch Jarvis legt Morozov den Finger auf die richtigen Wunden:

Neither Jarvis nor Clay Shirky—that other promoter of “Habermas for Dummies: The Web-Only Edition”—wants to grapple with the cultural consequences of the political economy of today’s Web. Instead they make an implicit assumption that today’s Internet companies will somehow prove more benign than all the corporate-controlled media that preceded them.

Zurecht weist Morozov auch auf die privilegierte Position von Jarvis hin, auch wenn Jarvis diesen Punkt durchaus thematisiert — bestückt mit einigen Privilegien lässt es sich eben leichter auf Privatsphäre verzichten. Leider arbeitet sich Morozov aber auch mit wenig überzeugenden persönlichen Attacken (“clown credentials”) an Jarvis ab. Er stimmt mit den Grundthesen von Jarvis überein: Öffentlichkeit braucht eine Lobby, Öffentlichkeit kann Gutes bewirken, das Internet hat das Potenzial zu weitreichenden gesellschaftlichen Veränderungen. Bei so viel Einigkeit stellt sich die Frage, woher die Energie kommt, Jarvis mit einer derartigen Breitseite zu attackieren. Letztendlich sind sich Jarvis und Morozov in ihrer diametralen Entgegengesetztheit viel näher als dass sie von einander entfernt sind: Beide sind sie Träumer, Jarvis träumt einen optimistischen Traum vom Internet, Morozov einen pessimistischen. Bei beiden ist die jeweilige Rolle seit Jahren ein eingeübtes, ständig neu variiertes Spiel, mit der sie ihre jeweiligen Fans überzeugen. Der Vorwurf, Jarvis sei “intellectually lazy” und nur auf die utopischen Qualitäten der Technologie versessen, kann ebenso gut an Morozov, den ständigen Mahner vor den dunklen Seiten des Netzes, zurückgegeben werden:

And there is Morozov distilled to his essence. He is as one-dimensional on the topic of technology as he accuses me of being, only from the pessimistic side.

git blog — mein Zusatzkommando für Octopress

Für dieses Blog benutze ich Octopress, das “blogging framework for hackers”. Theoretisch gibt es da auch ein rake-Kommando, um neue Posts abzusetzen (nämlich rake new_post), ich hatte allerdings schon ein halbfertiges Skript da, welches ich als /usr/local/bin/git-blog gespeichert habe.

Mit diesem Skript wird ein neues Posting angelegt und mein Lieblingseditor geöffnet. Sobald es gespeichert ist, verfügt meine lokale Git-Installation über einen neuen Befehl, git blog. Nifty, was?

/usr/local/bin/git-blog
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#!/bin/sh
if test $# -eq 0; then
  echo "blog title required" && exit 1
else
    cd $(git config blog.path)
    title=$@
    date=`date +"%Y-%m-%d %H:%M"`
    filename="_posts/$(date +"%Y-%m-%d")-$(echo $@|sed -e 's/[^ -~]//g'|sed -e 's/ /-/g'|sed -e 'y/ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZ/abcdefghijklmnopqrstuvwxyz/').markdown"
    if [ ! -f $filename ];
        then
            echo "---" >> $filename
            echo "layout: post" >> $filename
            echo "title:" $title >> $filename
            echo "date: " $date >> $filename
            echo "comments: true" >> $filename
            echo "categories:" >> $filename
            echo "---" >> $filename;
        fi
    $(git config core.editor) $filename
fi

Vorher sollte noch git konfiguriert werden. Dabei sollte das blog.path-Verzeichnis das sein, in dem sich das _posts-Verzeichnis befindet (bei Octopress ist das unterhalb von source):

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$ git config --global blog.path /pfad/zu/meinem/octopress
$ git config --global core.editor /pfad/zu/meinem/lieblingseditor

Wer Lust hat, kann sich danach noch einen git-Befehl namens git blog-deploy anlegen:

/usr/local/bin/git-blog-deploy
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#!/bin/sh
cd $(git config blog.path)
git add _posts/
git status | grep "Changes to be committed:"
if test $? -eq 0; then
    git commit -a -m "Automatically commited."
    cd .. && `cat $(git config blog.path)/../.rvmrc` rake generate && `cat $(git config blog.path)/../.rvmrc` rake deploy
else
    exit
fi

Ach ja. Nebenbei bemerkt: Hallo Welt!