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Mephisto

Am 1. Januar werden in Deutschland Werke gemeinfrei, deren Urheberinnen und Urheber vor mehr als 70 Jahren gestorben sind. 2020 also alle, die irgendwann im Jahr 1949 gestorben sind. Dazu gehört auch der Schriftsteller Klaus Mann. Sein Roman ”Mephisto” wird damit gemeinfrei.

Mephisto erzählt die Geschichte des Schauspielers Hendrik Höfgen, der sich im “Neuen Reich” mit den Machthabern arrangiert und zu einem gefeierten Star wird, dabei erst spät erkennt, dass er als Opportunist einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hat.

1956 wurde der Roman im Aufbau-Verlag in der DDR verlegt. In der Bundesrepublik wurde ein Erscheinen mehrmals gerichtlich verboten.

1971 urteilte das Bundesverfassungsgericht nach mehreren Verfahren zum Verbot des Romans, dass der postmortale Persönlichkeitsschutz des Schauspielers Gustaf Gründgens höher als die Kunstfreiheit nach Art. 5 Abs. 3 GG zu gewichten sei und bestätigte damit das Verbot.

Im Jahr 1981 wurde der Roman trotz des bestehenden Urteils in der Bundesrepublik im Rowohlt Verlag veröffentlicht. Rowohlt wurde dafür nicht juristisch belangt.

Damit wird heute ein Roman gemeinfrei, den westdeutsche Leserinnen und Leser erst seit weniger als 40 Jahren problemlos erwerben konnten. Zuvor konnten sie ihn nur aus der DDR beziehen.

Es ist ein Roman, der weiterhin nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts in Deutschland nicht erscheinen darf, aber als gemeinfreies Werk von allen ohne eine Genehmigung oder Zahlungsverpflichtung zu jedem beliebigen Zweck verwendet werden kann.

Ergänzung 2.1.2020: Die etwas seltsame rechtliche Situation wurde mir noch juristisch erklärt: ”Weil das Persönlichkeitsrecht Gründgens’ nach seinem Tod langsam „verblasst“ ist, ist der Vertrieb des Werks mittlerweile legal.

Als Scan ist der Roman seit dem 1.1.2020 bei der Deutschen Nationalbibliothek verfügbar.