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Atypisches Nutzerverhalten mit Rat und Tat.

Rezepte, Urheberrecht, Werke

Steile Thesen können zum Absturz führen oder wie eine Sprungschanze zum Weiterfliegen dienen. Hier ist eine steile These zum Urheberrecht, zum Werkbegriff und vielleicht zum Thema Geschlechter:

Bei 140 Zeichen auf Twitter ist selten alles so differenziert wie bei einem längeren Text. Zum Glück gibt es Blogs.

Ich bin davon überzeugt, dass es bei der Frage, was der Allgemeinheit gehört und was Privateigentum ist, keine Naturgesetze zum Tragen kommen. Einhegungen fallen nicht vom Himmel. Bei Fragen nach Urheberrecht und geistigem Eigentum lohnt es sich also immer, auch auf die Gesellschaft und ihre Machtverhältnisse zu schauen. Für mich spricht diese allgemeine Erkenntnis dafür, dass bei der Frage, warum Kochrezepte keinen Schutz nach dem Urheberrecht genießen, gesellschaftliche Machtverhältnisse und Zuschreibungen eine Rolle spielen. Sie spielen überall im Leben eine Rolle, warum dann nicht auch hier?

Jedoch: Es gibt ein paar Anzeichen dafür, dass die Aussage “Kochrezepte fallen nicht unter den Schutz des Urheberrechts, weil meistens Frauen kochen” in einer ganz vereinfachten Form auch problematisch ist:

  1. In der Spitze und deshalb auch bei den Autoren von Kochbüchern finden sich viele Männer (Bocuse, Oliver). Wenn Männer für ihre Werke Urheberrecht durchsetzen, um Geld zu verdienen, dann hätten sie hier durchaus eine wirtschaftliche Motivation.

  2. In anderen Bereichen, die Teile der Gesellschaft als traditionell weiblich lesen (Handarbeit, Mode), gibt es durchaus Copyfight: Auch wenn zumindest im amerikanischen Recht das Schnittmuster selbst nicht unter den Schutz des Copyright fällt, sondern nur Layout und Abbildung, so gibt es doch teilweise harte Kämpfe um Copyright und Nachnutzung, geführt sowohl von Unternehmen wie Burda als auch von Indie-Designer_innen im Internet.

Nach längerem Nachdenken (und Nachlesen im Internet) habe ich kein eindeutiges Fazit der steilen These.

Ich vermute, dass es Praxen gibt (in diesem Fall: kochen), die seit Jahrhunderten als völlig verschieden von dem Genius der schöpferischen Arbeit angesehen werden. Manchmal werden sie nicht mal als Arbeit gesehen (der Begriff der Care-Arbeit setzt hier an). Dann wiederum ist unbestreitbar, dass es Stars gibt (viele davon Männer), die mit urheberrechtlich geschützten Rezepten Geld verdienen könnten.

Als Zwischenergebnis bleibt für mich nur: Urheberrecht ist verwirrend – und manchmal eben auch willkürlich.

Nachtrag: Ich wurde auf einen extrem lesenswerten Artikel zum Thema bei iRights hingewiesen.

Noch ein Nachtrag: Julia Reda hat einen kluge Kommentar auf Facebook zu dem Thema: