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Atypisches Nutzerverhalten mit Rat und Tat.

Oh! Onigiri

Es besteht die Möglichkeit, dass ich mich für den nächsten Hype entschuldigen muss, wenn die Zeit gekommen ist. Die Tatsache, dass ich Bubble Tea vor einer gefühlten Ewigkeit (ca. letzter Sommer) noch abfeierte, weil es ihn endlich häufiger so zu kaufen gab, wie ich ihn aus New Yorks Chinatown kannte und liebte, lastet immer noch ein bisschen auf mir und mein Enthusiasmus tut mir leid. Ich bin voll in die Hipster-Falle getappt, plötzlich wurden die Innenstädte von Bubble Tea überschwemmt, Läden machten auf und gingen kurz danach ein und am Schluß gab es überzuckerten Schlabber mit Perlen sogar bei McDonald’s — of all places. Bitte verzeiht mir.

Jetzt also Onigiri. Japanische Reisbällchen, oft in Dreiecksform, gefüllt mit Sachen (Lachs oder Hühnchen oder Sesam und Gemüse), bisweilen umhüllt von einem Algenblatt: Das bessere Butterbrot, ab zwei oder drei Stück erstaunlich sättigend, was wohl am Reis liegt. In Japan sind Onigiri viel verbreiteter als alles, was wir hier an japanischem Essen zu kaufen bekommen: Oft daheim zubereitet werden sie zur Arbeit mitgebracht, im Supermarkt werden sie in langen Reihen im Kühlregal fertig angeboten. Aus Korea kenne ich sie als Chumokbap (추믁밥), was “Faust-Reis” heisst. Ich mag Onigiri und ich habe mich gefreut, als ich nur kurze Zeit hintereinander zwei Möglichkeiten in Berlin entdeckt habe, um mir den Bauch mit ihnen vollzuschlagen.

Da gibt es zunächst am U-Bahnhof Schönleinstraße den Onigiri-Stand Rice Up, den ich deshalb als ersten erwähne, weil er jeden Morgen auch ein potenzielles Anlaufziel auf dem Weg zur Arbeit für mich darstellt. Schön Bio alles, etwas kleine (und dafür teure) Portionen, aber durchaus gut: Jeden Tag vegane Onigiri und welche mit Fleisch oder Fisch (Lachs mit scharfer Pflaume ist ein prima Frühstück). Natürlich ist der Stand gut zu erreichen, weil er ja genau auf dem Bahnsteig liegt, aber insgesamt gehen bei dem Angebot schon leichte Hipster-Alarmglocken los. Sei’s drum. Es schmeckt.

Dann gibt es die unglaublich nette Natsuko, die mit ihrem Samurai Snack eine lustige Idee verfolgt: Zur Mittagszeit liefert sie an Büros (hauptsächlich Start-Ups, wenn ich das richtig verstanden habe). Wenn sie beladen mit ihren Onigiri, die man tags zuvor über ein Formular per Mail bestellt, in unserem Büro auftaucht, pünktlich um 11:30 Uhr, ist die Freude groß. Statt irgendwelchem Fast-Food-Quatsch einfach mal Onigiri in der Mittagspause, da gibt es eigentlich keine Gegenargumente, zumal ihre Onigiri nur die Hälfte von denen an der Schönleinstraße kosten, dafür aber größer und viel leckerer sind. Die ersten Male gibt es die Onigiri sogar kostenlos, wenn man ihr Feedback und Kommentare gibt. Natsuko holt sich Rezepte für Onigiri regelmäßig bei ihrer Mutter in Japan ab und ich finde man schmeckt die Mühe, die sie in ihr kleines Unternehmen steckt.

In einer Stadt mit gleich zwei Onigiri-Optionen zu leben ist irgendwie auch Luxus ausserhalb Ostasiens. Hoffen wir mal, dass der Hypezirkel bis zum Absturz in die Peinlichkeit diesmal nicht ganz so rasant verläuft wie bei Bubble Tea.

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