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Atypisches Nutzerverhalten mit Rat und Tat.

2012: Schreckensvision einer fernen Zukunft

Der folgende Bericht mag schockieren, doch er basiert auf Tatsachen. Alle mit Anführungszeichen und Seitenzahlen gekennzeichneten Zitate stammen aus dem Buch “Vorsicht Volkszählung! Erfaßt, vernetzt und ausgezählt.” herausgegeben von Roland Appel und Rainer Osnowski Dieter Hummel, erschienen im Kölner Volksblatt Verlag 1987

Äußerlich hat sich die Welt in den letzten 25 Jahren nicht stark verändert. Noch immer ist die Welt in zwei Machtblöcke gespalten, der Osten unter Führung der Sowjetunion, die von Generalsekretär Gorbatschow mit eiserner Faust geführt wird auf der einen Seite und der uns bekannte Westen, in dem sich die Bundesrepublik wirtschaftlich und politisch an den USA orientiert. Abgeschlagen und ökonomisch bedeutungslos liegen dahinter die Staaten, die sich zu keinem der beiden Blöcke bekennen und mehrheitlich der sogenannten “Dritten Welt” zuzuordnen sind, etwa die Länder Afrikas oder China.

Aber wenn ein Zeitreisender aus dem Jahr 1987 unsere Welt heute betreten würde, es würde ihm schwerfallen, das wieder zu erkennen, was seinerzeit als der “freie Westen” bezeichnet wurde. “Erfaßt, vernetzt und ausgezählt” fristen die meisten Menschen im westlichen Teil Deutschlands ihr Dasein. ”Die Informations- und Kommunikationstechniken – also Computertechnik, Mikro- und Optoelektronik, Robotertechnik, Telekommunikationstechniken usw. – geben die Möglichkeiten, eine allgegenwärtige Infrastruktur zur Erfassung, Speicherung, Verarbeitung und Weiterleitung von Informationen zu schaffen.” (S. 208). ”Besondere Aufmerksamkeit verdient der Charakter der I&K-Techniken als universeller Kontrolltechnik.” (S. 209).

Wie konnte es zu diesem Überwachungsstaat von Orwellschem Format kommen? Der Anfang war, wie so oft, harmlos, auch wenn es 1987 schon erste besonnene Mahner gab. Die Verdatung kam auf leisen Sohlen unter dem Namen ISDN über uns. Damals warnten Kritiker: ”Hinter der Abkürzung verbirgt sich “Integrated Services Data Network” – also ein verschiedene Dienste integrierendes, digitalisiertes Datennetz. Landläufig das, was eines Tages das Glasfasernetz für alle darstellen soll. Bei diesem Übertragungssystem werden gesprochene Worte wie Computerdaten in binäre (+, -) Impulse zerlegt und übermittelt. Derzeit ist dabei weder die Funktionssicherheit gewährleistet, noch Datenmißbrauch auszuschließen, da mit der Möglichkeit, innerhalb kürzester Zeit Millionen von Daten übertragen zu können, die Fähigkeit zum Datenschutz sinkt.” (S. 189)

Das zweite Standbein des Überwachungsstaates ist — ganz wie bei Orwell — der Fernsehschirm des Großen Bruders: ”Die derzeitige Bundesregierung hat es sich zum Ziel gesetzt, allen Bundesbürger/innen in möglichst kurzer Frist ein neues Kabelnetz in die Wohnung zu legen. Was derzeit unter dem zynischen Werbeslogan ‘mehr erleben’ angepriesen wird, ist die Vorstufe eines Gesamtsystems, dessen Erprobung noch aussteht, für das die Hersteller von Datenverarbeitungsmaschinen sich jedoch mit dem Deutschen Bundestag ein besonders exklusives Experimentierfeld geschaffen haben.” (S. 190)

Geradzu blind rannte die Gesellschaft vor 25 Jahren in ihr Verderben, als sie die offensichtlichen Parallelen zwischen Atomkraft und digitaler Übertragung von Sprache nicht erkannte, obwohl beispielsweise Robert Jungk vor dem “Atomstaatsyndrom” bei der I&K-Technik warnte: ”Eine so riskante Technik wie die AKW-Technik, bzw. die auf ihrer Grundlage aufgebauten Betriebe kann der Staat ebenso wenig einfach in der Gegend herumstehen lasssen wie die Einrichtungen der I&K-Techniken, von denen die Gesellschaft in wachsendem Maße abhängig wird.” (S. 213)

Seufzend fragen wir uns im Jahr 2012, ob wir es denn hätten verhindern können. Wieder einmal hätte der Lauf der Geschichte gestoppt werden können, wenn nicht einzelne Profiteure der Verdatung vorgeprescht wären oder zumindest rechtzeitig gestoppt worden wären, bevor sie ihr Unheil anrichten konnten. Doch wir alle hatten die Heuschrecken des Überwachungsstaates unterschätzt, die die Einführung von IuK-Techniken in allen gesellschaftlichen Bereichen der Bundesrepublik um jeden Preis ergaunern wollten: ”Nur so bekommt es auch einen Sinn, daß die CDU-Fraktion mit der Anschaffung von 150 Wang-Computern im Herbst 1986 bereits irreversible Fakten geschaffen hat.” (S. 189) Und nicht nur aus dem bürgerlichen Lager kamen die Überwacher, der Verrat kam direkt aus dem Herzen der aufgeklärten Linken, die immerhin eine Unterkommission zur Erprobung und Einführung “neuer Informations- und Telekommunikationstechnologien” im Parlament installieren konnte, wenn sich dies jedoch als bitterster Pyrrhussieg von allen herausstellte und den Überwachungsstaat seinerzeit besiegelte: ”Vorsitzende ist die vom Spiegel ehemals als ‘links’ eingeordnete SPD-Abgeordnete Sigrid Skarpelis-Sperk, die sich bereits 1980 bei ihrem Einzug ins ‘Hohe Haus’ damit hervortat, daß sie erst einmal ‘auf eigene Kosten’ ihr Büro mit einem Schreibcomputer ausstattete.” (S.188)

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