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Atypisches Nutzerverhalten mit Rat und Tat.

Algorithmische Gedichte und das Urheberrecht

  1. Hunderttausend Milliarden Gedichte (frz.: Cent Mille Milliards de Poèmes) ist ein experimentelles Ensemble von zehn Sonetten, das 1961 von Raymond Queneau publiziert wurde. Sonette haben vierzehn Zeilen. Die Sonette dieses Werkes reimen sich nach dem Schema abab abab ccd eed. Das Besondere an diesen Sonetten von Raymond Queneau ist, dass in allen zehn Sonetten die a, b,c, usw. des Reim-Schemas für dieselben Zeilenendungen stehen, d.h. alle zehn Sonette sind nach demselben Reimschema gebaut, nicht nur insofern als sie Sonette sind, sondern auch insofern als sie alle zehn in den entsprechenden Versen immer übereinstimmende Endungen haben, sodass jede beliebige 1. Zeile (aus den zehn 1. Zeilen) mit jeder beliebigen 2. Zeile (aus den zehn 2. Zeilen) kombiniert mit jeder beliebigen 3. Zeile (aus den zehn 3. Zeilen), usw. usf., bis zu einer beliebigen 14. Zeile (aus den zehn 14. Zeilen) wieder ein (bezüglich des ganzen Reimschemas) korrekt geformtes Sonett ergeben. Das ergibt 10101010 = 1014 (= 100’000’000’000’000) Möglichkeiten — daher der Titel. Die einzelnen Verse sind Alexandriner.
    […]
    Da das Werk Eigenschaften von Hypertext besitzt, würde sich eine Darstellung mit Computerunterstützung anbieten. Die aktuellen Rechteinhaber haben Webimplementationen Dritter jedoch bisher nicht zugestimmt. Am 5. Mai 1997 wurde ein Webseiteninhaber auf Antrag von Queneaus Sohn Jean-Marie Queneau und des Verlags Éditions Gallimard gerichtlich zur Entfernung des Inhalts gezwungen.

  2. Im November 2007 hielt ich auf Englisch einen Vortrag zum Thema ”Why machines should generate literature so humans don’t have to” in Wien als Teil des Symposiums ”Ghost in the Machine” auf der Roboexotica 2007. Boingboing (deren Co-Autor Cory Doctorow ebenfalls mit mir zusammen bei dem Symposium vortrug) schrieb darüber und zeigte meine einzige Folie im Vortrag mit einem Rechtschreibfehler. Nie lagen Ruhm und Peinlichkeit so nah zusammen. Eine Aufzeichnung des Vortrags gibt es im MP3-Format hier. Mittlerweile ist der Vortrag auch in Buchform in einer Aufsatzsammlung erschienen.