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Atypisches Nutzerverhalten mit Rat und Tat.

Phaidros und Sokrates treffen sich im Internet

Sokrates: Mein lieber Phaidros, wohin denn und woher?

Phaidros: Von Lysias, o Sokrates, dem Sohne des Kephalos. Und nun gehe ich spazieren vor die Stadtmauer hinaus. Denn ich habe vom frühen Morgen an die ganze Zeit dort sitzend zugebracht. Dabei folge ich deinem und meinem Freund Akumenos und mache meine Spaziergänge auf der Straße; denn, versichert er, diese seien gesünder als in den bedeckten Hallen.

Sokrates: Und mit Recht sagt er das, mein Freund! – Also war Lysias, wie es scheint, in der Stadt?

Phaidros: Ja, beim Epikrates, dort im Morychischen Hause, neben dem Olympion. Dort checkte er mit Foursquare ein.

Sokrates: Sag, hast du keine Sorge, wenn du arglos mir von Lysias berichtest, wo er sich aufgehalten und was er getan? Nun, da wir hier ins Internet sprechen, hört uns die ganze Welt. Mit welchem Recht entscheidest du, was Lysias will, was alle Welt erfährt?

Phaidros: Es hat mein lieber Lysias wohl ein Recht auf informationelle Selbstbestimmung, der hohe Rat zu Athen sprach es ihm und jedem freien Manne zu. Doch hat er auch ein Recht, der Nachwelt vorzuenthalten, was zu berichten wäre? Die Daten, die er einmal gab, sind nicht mehr seine, Geschichte sind sie geworden!

Sokrates: Mein Freund, soll denn das Recht der Geschichte schwerer wiegen als das eines Einzelnen? O Phaidros, ich müßte ja mich selbst vergessen haben, wenn ich den Phaidros nicht kennte! Aber das ist denn beides nicht der Fall. Gar wohl weiß ich, dass der, wenn er die Daten des Lysias sammelte, sie nicht nur ein mal loggte, sondern dass er sie sich öfters und wiederholt abrief, dieser aber ihm bereitwillig Folge leistete. Allein ihm war auch das nicht genügend, sondern zu guter Letzt hat er das Schriftchen zur Hand genommen und das, worauf er am meisten begierig war, noch nachgesehen. Und in diesem Geschäft vom frühen Morgen an sitzend, hat er sich endlich losgesagt, um einen Spaziergang anzutreten, so zwar, dass er, wie ich glaube, beim Hunde, die Daten schon auswendig wußte, wenn es nicht gar zu viele waren. Vor die Stadtmauer hinaus aber nahm er seinen Weg, um sie einzuüben. Da begegnete er nun dem Manne, der an der Sucht, Daten zu schauen, krank ist, und kaum hat er ihn erblickt, so freute er sich schon, dass er nun einen Mitschwärmer haben würde, und hieß ihn zugehen. Du sagst, du handelst für das Gute, Schöne und den Nutzen der Geschichte, doch weiss ich wohl, es treibt dich nur die eigene Gier, o postprivater Phaidros! Und auch ich selbst bin von der Gier erfasst, darum nur gibt es diese Regeln, die die Daten in die Schranken weisen.

Phaidros: Nein, keine Gier nach Geld und keine Schwatzsucht treibt mich an. Die Lieblichkeit der Daten selbst erfüllt mich. Wenn ich das Wahre, Gute, Schöne mehren will, so muss ich auch die Daten mehren! Nur durch den freien Fluß der Daten wird der freie Bürger frei, er kann sich bilden und die Welt begreifen. Wer Riegel vor die Daten schiebt, beschränkt den freien Menschen.

Sokrates: Doch mehrst du Wahres in der Welt, wenn du der Tyrannei die Daten wohlfeil zubereitest? Gewiss, der Rat dort in Athen ist weise, doch wird er es auf ewig sein? Wenn nun, was Zeus bewahre, der Rat ersetzt wird durch Tyrannen, so kann er schrecklicher und absoluter herrschen über uns als je vor ihm wohl die Tyrannis herrschte.

Phaidros: Wir wissen nicht, wohin die Welt sich wendet. Zur Freiheit jedes Bürgers, gespeist aus einem Quell der Daten aller Menschen, dem Wissen, das den Vätern noch unglaublich klang, oder der Tyrannei der Daten, die uns wie Schatten Tag und Nacht beherrschen. Und wo Beherrschung ist durch Daten, folgt die Beherrschung durch die Tyrannis bald. Ich weiss es nicht, o Sokrates. Ich weiss nur wohl, dass mein Herz ist erbrannt in Liebe, in knabenhafter Datenliebe zu dem, was eine schöne, neue Welt uns bietet. Der Mahner vor der Tyrannis der Datenschatten gibt es viele. Doch gibt es wen, der für die wahrhaft Verliebten zu den Daten spricht? Weisst du denn, Lehrer und Freund, welches die Richtung ist, die wir einschlagen?

Sokrates: Ich weiss, dass ich nichts weiss.