Hackety hack hack

Atypisches Nutzerverhalten mit Rat und Tat.

Nebeneinkünftequartett der Bundestagsabgeordneten – Offene Karten mit offenen Daten

Seit einiger Zeit gibt es die Nebeneinkünfte der Bundestagsabgeordneten als offene Daten. Die Berliner von OpenDataCity haben seinerzeit daraus eine JSON-Datei gebastelt, die in zehn Stufen einmalige, monatliche und jährliche Nebeneinkünfte vermerkt (noch genauer wollten es die Abgeordneten dann doch nicht haben mit der Transparenz).

Mit Python, Wikidata, Mustache und SVG habe ich mich hingesetzt und daraus Spielkarten gebastelt, für besinnliche Quartettrunden mit Offenen Daten an langen Winterabenden.

So sieht etwa die Spielkarte für Dr. h. c. Hans Michelbach aus der CDU/CSU-Fraktion aus:

Dr. h. c. Hans Michelbach

Den kompletten Satz aller Spielkarten gibt es als .zip-Datei zum Download.

Das Python-Skript, um die Spielkarten selbst zu generieren, liegt auf github. Nicht in allen Fällen konnte ich mit Wikidata ein Bild des oder der Abgeordneten finden, im Zweifel liegt das aber an mir.

Viel Spaß beim Spiel und möge das höhere Nebeneinkommen gewinnen. Oder so.

Zwei akademische Papers zu Computerspielen und Daten aus Freiem Wissen

  • Data Adventures This paper outlines a system for generating adventure games based on open data, and describes a sketch of the system implementation at its current state. The adventure game genre has been popular for a long time and differs significantly in design priorities from game genres which are commonly addressed in PCG research. In order to create believable and engaging content, we use data from DBpedia to generate the game’s non-playable characters locations and plot, and OpenStreetMaps to create the game’s levels.
  • Drawing Questions from Wikidata Bachelor Thesis by Fabian Bissig, Distributed Computing Group, Computer Engineering and Networks Laboratory, ETH Zürich

Wikidata-Items schnell auf der Kommandozeile nachschlagen? Mediawiki APIs hacken

Ein richtiger Hack ist das nicht, aber es ist besser, wenn ich das folgende aufschreibe, bevor ich es wieder vergesse.

Wikidata benutzt für jeden Wissensgegenstand in der Datenbank einen Bezeichner, der mit Q beginnt (oder mit P, wenn es sich um eine Eigenschaft handelt). Berlin ist z.B. Q64.

Wenn ich etwa mit qLabel die Möglichkeiten multilingualer Labels auf Basis von Wikidata in Webseiten benutzen will, brauche ich diese Bezeichner mit Q für alles, was übersetzt werden soll.

Prima wäre es, wenn ich auf der Kommandozeile einfach ein paar Begriffe eingeben könnte und die entsprechenden Q-Bezeichner als Liste bekomme. Und so wird’s gemacht:

Die API von Wikidata folgt im Grunde der allgemeinen MediaWiki-API, die ich schon an anderer Stelle beschrieben habe.

Um jetzt auf der Kommandozeile darauf zuzugreifen, brauche ich noch zwei Tools:

Der Begriff “Hacker” ist schön zweideutig und kann viele Bedeutungen annehmen, die jeweils eigene Wissensgegenstände in Wikidata mit eigenem Q-Bezeichner sind. Suchen wir doch einfach danach!

Suche nach einem Titel (z.B. in der englischen Wikipedia)

curl -s https://www.wikidata.org/w/api.php\?action\=wbgetentities\&sites\=enwiki\&titles\=Hacker\&languages\=en\&format\=json | jq -r '.entities | keys'

Hier bekommen wir nur einen Q-Bezeichner zurück, nämlich genau den, der zu der Seite mit dem Titel “Hacker” in der englischen Wikipedia passt (in dem Fall: eine Begriffserklärungs-Seite).

Suche nach Labels von Wissensgegenständen

curl -s https://www.wikidata.org/w/api.php\?action\=wbsearchentities\&search\=Hacker\&language\=en\&format\=json | jq -r '[.search[].id]'

Hier bekomme eine längere Liste, z.B. mit dem Computerspiel gleichen Namens, der Subkultur, dem Begriff in der Computersicherheit etc.

Mit curl und jq zusammen kann ich mir beliebige Kommandozeilen-Programme für die Wikidata-API schreiben und auf das zurückgegebene JSON-Ergebnis zugreifen. Die Möglichkeiten sind fast endlos.

Mischmasch

Vielleicht fing es alles auf dem Apple II an. Wenn du zu lange in die Tabellenkalkulation hineinblickst, blickt die Tabellenkalkulation auch in dich hinein. Vielleicht fing unser Blick auf die jetzige Ökonomie 1978 mit VisiCalc an – spekuliert zumindest Steven Levy: ”Moreover, we are becoming a society of businesspeople. We speak in a jargon derived from the business world (“What’s the bottom line on this?”). We read columns on “personal money management” that urge us to speculate in markets once reserved for the very few. We have accepted the venture capitalist as a role model. The buzz word these days in computer software firms looking to expand their markets is “personal productivity,” as if the home itself — maybe life itself – were best viewed as a business.

Keine Spekulation: Ökonomisch verändert sich was im Weltgefüge. Es ist aber nicht alles Share, was glänzt. Manchmal ist es einfach nur Warenform statt Teilen. Vielleicht hilft uns die Wissenschaft namens Cliodynamics, die Isaac Asimov noch als psychohistory als Science Fiction beschrieb, dabei endlich die Zukunft zu verstehen.

Und es bleibt ja immer noch Code, wenn du sonst niemanden hast. Damit kannst du die Enigma verstehen (in nur 30 Zeilen). Oder ein Lisp bauen (in 26 Sprachen).

Was? Warum ich mich mit so einem Quatsch beschäftige? Weil das hier mein Blog ist, vielen Dank, liebe Aufmerksamkeitspolizei. Während ich dies schreibe wird langsam weiss zu gold. Halt nein, es war schon immer schwarz und blau.

Nachrichten aus der Zukunft

Ökonomie, Griechenland und das Internet der Dinge

In Sachen Ökonomie lohnt ein Blick nach Griechenland. Bei den alten Griechen war die Trennung klar: Es gab die Ökonomie, was wörtlich bedeutet: Dinge, die den Haushalt und die Privatsphäre betreffen. Als Gegenstück gab es die Politik, was wörtlich meinte: Dinge, die den Staat betreffen.

Mittlerweile sind ein paar hundert Jahre ins Land gegangen und die gegenwärtigen Assoziationen zu Griechenland und Ökonomie dürften sich verändert haben. Im Jahre 2013 hielt Yanis Varoufakis auf dem sechsten Subversive Festival in Zagreb einen Votrag über Ökonomie und Theorien dazu. Der Titel seines Vortrags, den der Guardian bearbeitet vor ein paar Tagen veröffentlichte: ”How I became an erratic Marxist”.

Varoufakis, Dozent für Wirtschaftswissenschaften, Berater und später scharfer Kritiker der früheren griechischen Regierung und ehemaliger Hausökonom für den Spielehersteller Valve, ist mittlerweile Finanzminister in der Regierung Griechenlands, die von der radikalen Linken zusammen mit einer rechtspopulistischen Partei in einer Koalition gebildet wird.

Auch wenn man ihm nicht zustimmen mag, kann man auf jeden Fall sagen: Sein Text ist bedachtsam formuliert und klar in den Argumenten, die er entwickelt. Er beschreibt seine persönlichen Probleme damit, einerseits in seinem Denken stets von Marxschen Gedanken geprägt gewesen zu sein und führt andererseits auch zwei Probleme auf: die Unfähigkeit marxistischer Theorie, sich mit den Irrungen und auch Verbrechen derjenigen zu beschäftigen, die diese Theorie für sich reklamierten und das Problem, bei der Beschäftigung mit Kapitalismus und Krise allein auf Rechnungen und Zahlenspielereien wie im Kapital zu vertrauen.

Für Varoufakis ist seine persönliche Schlussfolgerung, für die er Kritik aus der Linken einstecken musste: Eine Freude über Krise und Zusammenbruch des Kapitalismus in Europa kann er nicht empfinden. Obwohl er gerne etwas hätte, was besser ist als der Kapitalismus, sieht er sich in der jetzigen geschichtlichen Situation gezwungen, diesen vor dem totalen Zusammenbruch zu bewahren – aus Gründen der Menschlichkeit und aus antifaschistischer Überzeugung:

As the whole world now knows, Papandreou’s party not only failed to stem xenophobia but, in the end, presided over the most virulent neoliberal macroeconomic policies that spearheaded the eurozone’s so-called bailouts thus, unwittingly, causing the return of Nazis to the streets of Athens.

(…)

A Greek or a Portuguese or an Italian exit from the eurozone would soon lead to a fragmentation of European capitalism, yielding a seriously recessionary surplus region east of the Rhine and north of the Alps, while the rest of Europe is would be in the grip of vicious stagflation. Who do you think would benefit from this development? A progressive left, that will rise Phoenix-like from the ashes of Europe’s public institutions? Or the Golden Dawn Nazis, the assorted neofascists, the xenophobes and the spivs? I have absolutely no doubt as to which of the two will do best from a disintegration of the eurozone.

I, for one, am not prepared to blow fresh wind into the sails of this postmodern version of the 1930s. If this means that it is we, the suitably erratic Marxists, who must try to save European capitalism from itself, so be it. Not out of love for European capitalism, for the eurozone, for Brussels, or for the European Central Bank, but just because we want to minimise the unnecessary human toll from this crisis.

Yanis Varoufakisi“How I Became an Erratic Marxist”

Interessanterweise sieht ein Minister einer radikal linken Regierungspartei momentan keine Möglichkeit, den Kapitalismus zu überwinden, während ein US-amerikanischer Soziologe, Ökonom und Publizist, der ganz ohne marxistische Prägung in der Biographie daherkommt, in seinem aktuellen Buch bereits das Ende des Kapitalismus einläutet. In seinem 2014 erschienenen Buch ”The Zero Marginal Cost Society: The internet of things, the collaborative commons, and the eclipse of capitalism” vertritt Jeremy Rifkin die These, dass sich angesichts nahezu kostenfrei möglicher weltweiter Vernetzung, Kommunikation sowie Datenerfassung und -austauschs die Zusatzkosten für Produkte (so genannte Grenzkosten) gegen Null entwickeln würden. Er spricht davon, dass mit der Entwicklung hin zu einer neuen Wirtschaftsordnung namens collaborative commons Voraussetzungen für eine „dritte industrielle Revolution“ vorlägen.

Jeremy Rifkins Analyse der kapitalistischen Produktionsweise in einer immer mehr auf das Teilen zu fallenden Grenzkosten ausgerichteten Gesellschaft liest sich aufregend: Endlich werden wieder große Fragen gestellt und endlich gibt es wieder Utopien. Manches an seiner Theorie wirkt seltsam: Inwiefern es eine Keimform der Sharing Ecomony ist, wenn selbst Gastfreundschaft ganz klassisch kapitalistisch in Warenform gepresst wird (Uber, AirBnb), verstehe ich nicht ganz. Und dann werden Zukunftsaussichten mit einem sehr breiten Pinsel gemalt: Energie wird quasi kostenlos durch erneuerbare Energiequellen und immer wieder: das Internet of Things (IoT) wird uns Echtzeitdaten zur Ökonomie geben und den Markt alt aussehen lassen.

Mit Michael Seemann hatte ich vor ein paar Tagen ein Gespräch darüber. Seine Position in dem Gespräch, dass Märkte nicht verschwinden werden und Planwirtschaft eh schon in Unternehmen praktiziert wird, hat er in einem Blogartikel aufgeschrieben.

Vielleicht ist das Internet der Dinge tatsächlich ein möglicher Faktor für eine ganz andere Ökonomie jenseits des Kapitalismus. Vielleicht war Cybersyn, bei der die sozialistische Regierung Salvador Allendes versuchete, eine nationale Ökonomie mit Hilfe eines archaischen Vorgängers des Internets der Dinge zu steuern, einfach ihrer Zeit voraus und musste nicht nur wegen des CIA-Putsches gegen Allende, sondern auch wegen der technischen Machbarkeit scheitern. Vielleicht brauchten wir erst die Erfahrung mir eBay und Craigslist, um uns eine radikal andere Ökonomie mit einem universellen stigmergischen Allokationsystem überhaupt vorstellen zu können, aus dem sich eine Commons-basierte Peer Production (”Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen, alles geroutet in einem offenen Internet”) entwickeln kann. Und wer weiss, was sich noch alles im Internet der Dinge bewegt in Zukunft, wenn wir selbst Teil davon geworden sind. Menschen mit seltsamen Vorstellungen von Zeitvertreib grübeln zumindest schon darüber nach, wie Quantified Self in Zukunft aussehen kann – während die Mehrheit der Menschen auf diesem Planeten von Quantified Self nicht mal gehört haben dürfte.

Und ja, auch Fragen der Privatsphäre betrifft dann dieser Traum einer anderen Ökonomie, die den Kapitalismus ersetzen soll. Des einen Internet der Dinge ist des anderen Totalberwachung – ein Einwand, den Rifkin eher lustlos zur Seite schiebt mit einem schwammingen Hinweis darauf, dass Fragen des Datenschutzes und der Privatheit neu reguliert werden müssten. Er weist allerdings auch darauf hin, dass das Leben im Privaten oder überhaupt eine Vorstellung davon, was privat ist, erst mit dem Kapitalismus entstand:

Erst in der kapitalistischen Ära begannen die Menschen, sich hinter verschlossene Türen zurückzuziehen. Das Leben des Bürgers war eine private Angelegenheit. Obwohl die Menschen eine öffentliche Rolle annahmen, spielte sich ein Gutteil ihres Alltagslebens in abgeschiedenen Räumen ab. Zu Hause lebte man noch isolierter in separaten Räumen, jeder mit seiner eigenen Funktion – Salon, Musikzimmer, Bibliothek usw. Zum ersten Mal begann man sogar in getrennten Betten und Zimmern zu schlafen. Einhegung und Privatisierung des menschlichen Lebens gingen Hand in Hand mit der Einhegung und Privatisierung der Allmenden. In der neuen Welt des Privateigentums, wo alles auf die Dichotomie »mein« und »dein« reduziert war, nahm die Idee eines autonom Handelnden, inmitten seiner Besitztümer und von der Welt Abgeschnitten, ein Eigenleben an. Das Recht auf Privatleben wurde zum Recht auf Ausschluss des anderen.

Jeremy Rifkin“Die Null-Grenzkosten-Gesellschaft: Das Internet Der Dinge Kollaboratives Gemeingut Und Der Rückzug Des Kapitalismus”

Grundrechte wie das auf Privatheit sind nur schwer mit einer extremen Vision einer Ökonomie zu vereinbaren, die Rifkin mit dem Internet der Dinge erträumt – und die andere längst parodieren, wenn sie IoT-Erfindungen zur Messung des Stuhlgangs in schickem Design auf auf Webseiten packen.

Andererseits – die positive Utopie einer Gesellschaft, in der ein ökonomisches System wie der Kapitalismus trotz seiner scheinbaren Allgegewart und Unüberwindbarkeit in Frage gestellt werden kann, beinhaltet, dass wir uns nicht nur um bürgerliche Grundrechte bemühen, sondern auch die Frage nach der ökonomischen Teilhabe neu stellen. Es kann durchaus auch politisch über eine andere Ökonomie entschieden werden. Den alten Griechen würde es ob dieser linguistischen Widersprüchlichkeit grausen. Was haben Dinge, die den Haushalt und die Privatsphäre betreffen denn zu tun mit Dingen, die den Staat betreffen? Im Wortsinne wäre eine politische Ökonomie nichts für die alten Griechen.

Die aktuellen Griechen mögen das anders sehen. Politics? It’s the economy, stupid!

Perhaps the most significant dimension of the neoliberal triumph is what has come to be known as the “democratic deficit”. Rivers of crocodile tears have flowed over the decline of our great democracies during the past three decades of financialisation and globalisation. Marx would have laughed long and hard at those who seem surprised, or upset, by the “democratic deficit”. What was the great objective behind 19th-century liberalism? It was, as Marx never tired of pointing out, to separate the economic sphere from the political sphere and to confine politics to the latter while leaving the economic sphere to capital. It is liberalism’s splendid success in achieving this long-held goal that we are now observing. Take a look at South Africa today, more than two decades after Nelson Mandela was freed and the political sphere, at long last, embraced the whole population. The ANC’s predicament was that, in order to be allowed to dominate the political sphere, it had to give up power over the economic one. And if you think otherwise, I suggest that you talk to the dozens of miners gunned down by armed guards paid by their employers after they dared demand a wage rise.

Yanis Varoufakisi“How I Became an Erratic Marxist”

Auszeit

An dieser Stelle hätte ein interessanter Blogartikel stehen können, vielleicht mal wieder über ein Programmierprojekt. Aus gesundheitlichen Gründen kam es diese Woche nicht dazu. Schauen wir, was die nächste Woche bringt…

Hackerspaces im Landtag NRW

Am 15. Januar war ich eingeladen, zusammen mit Mic “nomaster” Szillat etwas zum Thema “Hackerspaces als neuer Kulturraum” zu erzählen und zwar im Ausschuss für Kultur und Medien des Landtags von Nordrhein-Westfalen. Auf die Tagesordnung des Ausschusses gesetzt wurde der Punkt von der Piratenfraktion im Landtag, darum bemüht hatte sich insbesondere Lukas “maltis” Lamla.

Unsere Präsentation vor dem Ausschuss ist als Google-Doc einzusehen.

So einen Programmpunkt in einem Landtagsausschuss gab es nicht zum ersten Mal, 2012 stellten Lars Weiler aka Pylon und Frank Rieger bereits Hackerspaces im Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses von Berlin vor. Pylon hatte zu der Anhörung auch gebloggt.

Geplant und durchgeführt war die Präsentation als erster Aufschlag, um die Abgeordneten mit dem Thema vertraut zu machen. Dafür war es erfolgreich, so zumindest meine Wahrnehmung. Aus allen Parteien gab es ehrliches Interesse. Die Frage eines Abgeordneten der FDP, ob Hackerspaces als eine Art “anarchistische Volkshochschule” zu verstehen seien fand ich besonders originell und aufschlussreich. Insgesamt zeigte sich wohlwollendes Nicken in der Runde, besonders bei Themen, die bei der Durchschnittsbevölkerung noch als Science-Fiction verstanden werden (3D-Drucker) oder wenn es Anknüpfungspunkte zur Lebensrealität der Abgeordneten gab (Foodhacking, Theater in Hackerspaces). Aus dem Ministerium gab es nach der Präsentation Feedback und Interessensbekundungen.

Und jetzt? Jetzt gilt es, politische Ideen und vielleicht sogar ein actionable Item in Form eines Antrags aus dem zu machen, was in der Hackerspace-Bewegung an Ideen vorhanden ist. Hackerspaces sind sicher nicht so einfach zu fördern wie das Stadttheater um die Ecke, ihre extrem lockere (aber international vernetzte) Struktur, ohne “Bundesverband der Hackerspaces, Landeskammer NRW” macht es nicht einfach, einen Dialog zu führen — andererseits ist diese Struktur aber auch gerade die Stärke der Bewegung. Eine experimentelle Annäherung an Förderungsstrukturen für lose vernetzte Akteure im Bereich der elektronischen Kunst wurde bereits in Wien versucht. Netznetz Mana dient nach dem epischen Scheitern aufgrund von Ego-Inkompatibilitäten und eingestellter Förderung aber vielleicht eher als schlechtes Beispiel, aus dem wir lernen können…

Die Forschung zum Thema Kulturförderung von Hackerspaces hat gerade erst begonnen. Vermutlich ist das Katzenhüten hier eine Herausforderung, mit dem die Förderung der freiesten aller freien Theatergruppen nicht mal im Ansatz verglichen werden kann.

Mein Internet ist leer! Was könnte ich sonst noch lesen?

Zum Glück gibt es im Internet mehr als genug Links. Zum Lesen bleibt immer etwas. Es gäbe diesen Artikel darüber, warum sich die Elite im Silicon Valley neuerdings für das Bedingungslose Grundeinkommen interessiert:„Basic income, it turns out, is in the peculiar class of political notions that can warm Leninist and libertarian hearts alike. Though it’s an essentially low-tech proposal, it appeals to Silicon Valley’s longing for simple, elegant algorithms to solve everything. Supporters list the possible results: It can end poverty and inequality with hardly any bureaucracy. With more money and less work to do, we might even spew less climate-disrupting carbon.

Dann ist da noch ein Fanzine für Sci-Fi mit afrikanischer Perspektive: omenana aus Nigeria.

Dieser Text von Martin Fowler (der mit dem Refactoring) ist auch sehr lesenswert: DiversityMediocrityIllusion. „A common argument against pushing for greater diversity is that it will lower standards, raising the spectre of a diverse but mediocre group. To understand why this is an illusionary concern, I like to consider a little thought experiment.

Oder die Seite von afriLeaks: „afriLeaks allows you to leak confidential documents of public interest. We’ve designed a system that helps you to share these materials while protecting your own identity, making it very hard to identify you as the source of the leak. AfriLeaks is run by an alliance of African news organisations that are committed to speaking truth to power. You will be able to send us documents and select which of our member organisations should investigate it. This site also helps you to stay in touch and answer further questions without revealing your name or contact information.

Interessant ist auch dieses Experiment zu Urban Gardening und den Commons, über Schafe in der Stadt: Stadtschnuggen.

Vielleicht habt ihr ja schon den Artikel von Cory Doctorow gelesen „How Laws Restricting Tech Actually Expose Us to Greater Harm“ oder die New Clues von den Autoren des Cluetrain Manifesto. Wenn nicht, könnt ihr das nachholen.

Es gibt aber auch Lesestoff zur Urheberrechtsproblematik in der Modebranche: „The Piracy Paradox: Innovation and Intellectual Property in Fashion Design“. Und aus Polen stammt eine Textsammlung mit Zukunftsvisionen zum Immaterialgüterrecht: „Right to Culture: Future Scenarios“.

Bei so viel Stoff zum Lesen ist es ganz gut, dass die Zukunft zumindest in einem Bereich hoffnungsvoll aussieht: „Live for ever: Scientists say they’ll soon extend life ‘well beyond 120’“.

Einhegungen fallen nicht vom Himmel

Aaron Swartz starb heute vor zwei Jahren. Das Internet ohne Einhegungen auf Grundlage der Allmende war bereits schon dabei, parzelliert und eingezäunt zu werden.

Information is power. But like all power, there are those who want to keep it for themselves. The world’s entire scientific and cultural heritage, published over centuries in books and journals, is increasingly being digitized and locked up by a handful of private corporations. Want to read the papers featuring the most famous results of the sciences? You’ll need to send enormous amounts to publishers like Reed Elsevier.

There are those struggling to change this. The Open Access Movement has fought valiantly to ensure that scientists do not sign their copyrights away but instead ensure their work is published on the Internet, under terms that allow anyone to access it. But even under the best scenarios, their work will only apply to things published in the future. Everything up until now will have been lost.

That is too high a price to pay. Forcing academics to pay money to read the work of their colleagues? Scanning entire libraries but only allowing the folks at Google to read them? Providing scientific articles to those at elite universities in the First World, but not to children in the Global South? It’s outrageous and unacceptable.

Einhegungen, die aus einer Gemeinwirtschaft Privatbesitz schaffen, finden nicht über Nacht statt. In England begann die Transformation der Landwirtschaft im 16. Jahrhundert und war im 19. Jahrhundert abgeschlossen. Der Höhepunkt der Einhegungen lag zwischen 1760 und 1832, danach waren in Großbritannien die mittelalterlichen Strukturen so gut wie verschwunden, es gab das Konzept des gemeinwirtschaftlichen Landbesitzes nicht mehr.

Am Ende der Transformation war die Idee von Land, dass sich nicht in Privatbesitz befand, bereits so aus dem Bewusstsein verschwunden, dass der bloße Gedanke, über Privatgrundstücke könnten etwa Eisenbahnlinien geführt werden, von Liberalen als “Diebstahl” bezeichnet wurde.

George Orwell, der in einer Reihe von Kommentaren für die linksgerichtete Tribune in den 1940er Jahren davon schrieb, sah sich durch einen Kommentator eben dieses Vorwurfs ausgesetzt: Privateigentum an Land für die Allgemeinheit zu nutzen ist Diebstahl.

Daran zu erinnern, wie Landbesitz überhaupt zustande gekommen war, dass es kein vom Himmel gefallenes Naturrecht ist, sondern tatsächlich in einem Transformationsprozess mit Gewalt der Allmende entrissen wurde, war 1944 schon beinahe eine revolutionäre Aussage. Der englische Landadel hatte das Land der Gemeinwirtschaft schlicht unter sich aufgeteilt, mit keiner anderen Legitimation, als der, dass sie zur Durchsetzung ihrer Interessen Gewalt und Staat benutzen konnten. Die Grundlage der Agrarrevolution in England und Wales, die Verarmung der Landbevölkerung und die Freisetzung von Arbeitskräften für die Industrielle Revolution hatte keine andere Legitimation als die, dass die Interessengruppen des Landadels es einfach getan hatten.

If giving the land of England back to the people of England is theft, I am quite happy to call it theft. In his zeal to defend private property, my correspondent does not stop to consider how the so-called owners of the land got hold of it. They simply seized it by force, afterwards hiring lawyers to provide them with title-deeds. In the case of the enclosure of the common lands, which was going on from about 1600 to 1850, the landgrabbers did not even have the excuse of being foreign conquerors; they were quite frankly taking the heritage of their own countrymen, upon no sort of pretext except that they had the power to do so.

Erst sehr viel später setzte das Bewusstsein dafür ein, dass Wirtschaften mit Gemeingut nachhaltiger möglich ist. Elinor Ostrom, die 2009 als erste Frau den Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften für ihre Arbeiten zur Gemeinwirtschaft bekam, befasste sich mit der Frage, wie sich Menschen organisieren, um gemeinschaftlich komplexe Probleme zu lösen. Sie analysierte, wie institutionelle Regeln sich auf Handlungen von Individuen auswirken, die bestimmten Anreizen ausgesetzt sind, Entscheidungen treffen (müssen), und sich zudem noch gegenseitig beeinflussen, und sie zeigte praktikable, gerechte und effiziente Lösungen für diese Probleme auf.

In Brasilien oder Indien entstanden soziale Bewegungen, die sich der revolutionären Erkenntnis widmeten, dass Gemeingut eben nicht von Natur aus eingezäunt werden muss, sondern gemeinsam verwaltet und bewirtschaftet werden kann. Dabei geht es nicht mal um utopische Forderungen wie die Abschaffung von Privateigentum — dieses bleibt neben der Allmende bestehen. Es geht darum, gleichberechtigt einen Raum zu schaffen, in dem kollaborativ, verantwortungsvoll und gemeinsam an der Grundlage des gemeinsamen Überlebens gearbeitet wird und die Schaffung von Einhegungen für das, was vorher nicht eingehegt war, nicht zu ohne Argumente zu akzeptieren.

Dem Internet und der Wissensallmende drohen Einhegungen, die von Landadeligen des 12. Jahrhunderts schrittweise vorgenommen werden, mit keinem anderen Argument als dem, dass es ihnen möglich ist. In Deutschland wurden Hecken und Grenzsteine etwa ab 2004 beim sogenannten Zweiten Korb der Urheberrechtsreform gesetzt, durch den die Rechte der Nutzerinnen und Nutzer eingeschränkt wurden und das Recht auf Privatkopie entstellt wurde. Das Leistungsschutzrecht für Presseverleger ist eine Einhegung der Wiesen und Felder der Allmende im Internet mit keinem anderen Argument als dem, dass es eben mit Lobbyarbeit von Verlagen wie der Axel Springer SE möglich ist, diese als Gesetz durchzusetzen.

Es gibt keinen naturgegebenen Grund dafür, die Allmende zu zerstückeln und einzuhegen, wenn wir sie auch gemeinsam beackern können. Wir können mit Elinor Ostrom wirtschaftswissenschaftlich zeigen, dass Zusammenarbeit möglich und nachhaltig ist und moralisch ist das Argument “Ich kann es euch wegnehmen, weil ich es euch weggnehmen kann” einem kulturoptimistischem gemeinschaftlichen Wirtschaften nicht überlegen.

Im schlimmsten Fall sind Einhegungen tödlich. Am zweiten Todestag von Aaron Swartz lohnt es sich daran zu erinnern, dass durch Einhegungen der Wissensallmende einem großen Talent die Luft zum Atmen genommen wurde. So wie für den Suizid von Alan Turing die menschenverachtenden homophoben Gesetze der damaligen Zeit und die, die sie geschaffen haben, politisch verantwortlich sind, ist der Wahnsinn der Urheberrechtsextremisten verantwortlich für Aarons Tod. Copyright kills. An den Händen der Urheberrechtsextremisten klebt sein Blut.