Hackety hack hack

Atypisches Nutzerverhalten mit Rat und Tat.

Mischmasch

Vielleicht fing es alles auf dem Apple II an. Wenn du zu lange in die Tabellenkalkulation hineinblickst, blickt die Tabellenkalkulation auch in dich hinein. Vielleicht fing unser Blick auf die jetzige Ökonomie 1978 mit VisiCalc an – spekuliert zumindest Steven Levy: ”Moreover, we are becoming a society of businesspeople. We speak in a jargon derived from the business world (“What’s the bottom line on this?”). We read columns on “personal money management” that urge us to speculate in markets once reserved for the very few. We have accepted the venture capitalist as a role model. The buzz word these days in computer software firms looking to expand their markets is “personal productivity,” as if the home itself — maybe life itself – were best viewed as a business.

Keine Spekulation: Ökonomisch verändert sich was im Weltgefüge. Es ist aber nicht alles Share, was glänzt. Manchmal ist es einfach nur Warenform statt Teilen. Vielleicht hilft uns die Wissenschaft namens Cliodynamics, die Isaac Asimov noch als psychohistory als Science Fiction beschrieb, dabei endlich die Zukunft zu verstehen.

Und es bleibt ja immer noch Code, wenn du sonst niemanden hast. Damit kannst du die Enigma verstehen (in nur 30 Zeilen). Oder ein Lisp bauen (in 26 Sprachen).

Was? Warum ich mich mit so einem Quatsch beschäftige? Weil das hier mein Blog ist, vielen Dank, liebe Aufmerksamkeitspolizei. Während ich dies schreibe wird langsam weiss zu gold. Halt nein, es war schon immer schwarz und blau.

Nachrichten aus der Zukunft

Ökonomie, Griechenland und das Internet der Dinge

In Sachen Ökonomie lohnt ein Blick nach Griechenland. Bei den alten Griechen war die Trennung klar: Es gab die Ökonomie, was wörtlich bedeutet: Dinge, die den Haushalt und die Privatsphäre betreffen. Als Gegenstück gab es die Politik, was wörtlich meinte: Dinge, die den Staat betreffen.

Mittlerweile sind ein paar hundert Jahre ins Land gegangen und die gegenwärtigen Assoziationen zu Griechenland und Ökonomie dürften sich verändert haben. Im Jahre 2013 hielt Yanis Varoufakis auf dem sechsten Subversive Festival in Zagreb einen Votrag über Ökonomie und Theorien dazu. Der Titel seines Vortrags, den der Guardian bearbeitet vor ein paar Tagen veröffentlichte: ”How I became an erratic Marxist”.

Varoufakis, Dozent für Wirtschaftswissenschaften, Berater und später scharfer Kritiker der früheren griechischen Regierung und ehemaliger Hausökonom für den Spielehersteller Valve, ist mittlerweile Finanzminister in der Regierung Griechenlands, die von der radikalen Linken zusammen mit einer rechtspopulistischen Partei in einer Koalition gebildet wird.

Auch wenn man ihm nicht zustimmen mag, kann man auf jeden Fall sagen: Sein Text ist bedachtsam formuliert und klar in den Argumenten, die er entwickelt. Er beschreibt seine persönlichen Probleme damit, einerseits in seinem Denken stets von Marxschen Gedanken geprägt gewesen zu sein und führt andererseits auch zwei Probleme auf: die Unfähigkeit marxistischer Theorie, sich mit den Irrungen und auch Verbrechen derjenigen zu beschäftigen, die diese Theorie für sich reklamierten und das Problem, bei der Beschäftigung mit Kapitalismus und Krise allein auf Rechnungen und Zahlenspielereien wie im Kapital zu vertrauen.

Für Varoufakis ist seine persönliche Schlussfolgerung, für die er Kritik aus der Linken einstecken musste: Eine Freude über Krise und Zusammenbruch des Kapitalismus in Europa kann er nicht empfinden. Obwohl er gerne etwas hätte, was besser ist als der Kapitalismus, sieht er sich in der jetzigen geschichtlichen Situation gezwungen, diesen vor dem totalen Zusammenbruch zu bewahren – aus Gründen der Menschlichkeit und aus antifaschistischer Überzeugung:

As the whole world now knows, Papandreou’s party not only failed to stem xenophobia but, in the end, presided over the most virulent neoliberal macroeconomic policies that spearheaded the eurozone’s so-called bailouts thus, unwittingly, causing the return of Nazis to the streets of Athens.

(…)

A Greek or a Portuguese or an Italian exit from the eurozone would soon lead to a fragmentation of European capitalism, yielding a seriously recessionary surplus region east of the Rhine and north of the Alps, while the rest of Europe is would be in the grip of vicious stagflation. Who do you think would benefit from this development? A progressive left, that will rise Phoenix-like from the ashes of Europe’s public institutions? Or the Golden Dawn Nazis, the assorted neofascists, the xenophobes and the spivs? I have absolutely no doubt as to which of the two will do best from a disintegration of the eurozone.

I, for one, am not prepared to blow fresh wind into the sails of this postmodern version of the 1930s. If this means that it is we, the suitably erratic Marxists, who must try to save European capitalism from itself, so be it. Not out of love for European capitalism, for the eurozone, for Brussels, or for the European Central Bank, but just because we want to minimise the unnecessary human toll from this crisis.

Yanis Varoufakisi“How I Became an Erratic Marxist”

Interessanterweise sieht ein Minister einer radikal linken Regierungspartei momentan keine Möglichkeit, den Kapitalismus zu überwinden, während ein US-amerikanischer Soziologe, Ökonom und Publizist, der ganz ohne marxistische Prägung in der Biographie daherkommt, in seinem aktuellen Buch bereits das Ende des Kapitalismus einläutet. In seinem 2014 erschienenen Buch ”The Zero Marginal Cost Society: The internet of things, the collaborative commons, and the eclipse of capitalism” vertritt Jeremy Rifkin die These, dass sich angesichts nahezu kostenfrei möglicher weltweiter Vernetzung, Kommunikation sowie Datenerfassung und -austauschs die Zusatzkosten für Produkte (so genannte Grenzkosten) gegen Null entwickeln würden. Er spricht davon, dass mit der Entwicklung hin zu einer neuen Wirtschaftsordnung namens collaborative commons Voraussetzungen für eine „dritte industrielle Revolution“ vorlägen.

Jeremy Rifkins Analyse der kapitalistischen Produktionsweise in einer immer mehr auf das Teilen zu fallenden Grenzkosten ausgerichteten Gesellschaft liest sich aufregend: Endlich werden wieder große Fragen gestellt und endlich gibt es wieder Utopien. Manches an seiner Theorie wirkt seltsam: Inwiefern es eine Keimform der Sharing Ecomony ist, wenn selbst Gastfreundschaft ganz klassisch kapitalistisch in Warenform gepresst wird (Uber, AirBnb), verstehe ich nicht ganz. Und dann werden Zukunftsaussichten mit einem sehr breiten Pinsel gemalt: Energie wird quasi kostenlos durch erneuerbare Energiequellen und immer wieder: das Internet of Things (IoT) wird uns Echtzeitdaten zur Ökonomie geben und den Markt alt aussehen lassen.

Mit Michael Seemann hatte ich vor ein paar Tagen ein Gespräch darüber. Seine Position in dem Gespräch, dass Märkte nicht verschwinden werden und Planwirtschaft eh schon in Unternehmen praktiziert wird, hat er in einem Blogartikel aufgeschrieben.

Vielleicht ist das Internet der Dinge tatsächlich ein möglicher Faktor für eine ganz andere Ökonomie jenseits des Kapitalismus. Vielleicht war Cybersyn, bei der die sozialistische Regierung Salvador Allendes versuchete, eine nationale Ökonomie mit Hilfe eines archaischen Vorgängers des Internets der Dinge zu steuern, einfach ihrer Zeit voraus und musste nicht nur wegen des CIA-Putsches gegen Allende, sondern auch wegen der technischen Machbarkeit scheitern. Vielleicht brauchten wir erst die Erfahrung mir eBay und Craigslist, um uns eine radikal andere Ökonomie mit einem universellen stigmergischen Allokationsystem überhaupt vorstellen zu können, aus dem sich eine Commons-basierte Peer Production (”Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen, alles geroutet in einem offenen Internet”) entwickeln kann. Und wer weiss, was sich noch alles im Internet der Dinge bewegt in Zukunft, wenn wir selbst Teil davon geworden sind. Menschen mit seltsamen Vorstellungen von Zeitvertreib grübeln zumindest schon darüber nach, wie Quantified Self in Zukunft aussehen kann – während die Mehrheit der Menschen auf diesem Planeten von Quantified Self nicht mal gehört haben dürfte.

Und ja, auch Fragen der Privatsphäre betrifft dann dieser Traum einer anderen Ökonomie, die den Kapitalismus ersetzen soll. Des einen Internet der Dinge ist des anderen Totalberwachung – ein Einwand, den Rifkin eher lustlos zur Seite schiebt mit einem schwammingen Hinweis darauf, dass Fragen des Datenschutzes und der Privatheit neu reguliert werden müssten. Er weist allerdings auch darauf hin, dass das Leben im Privaten oder überhaupt eine Vorstellung davon, was privat ist, erst mit dem Kapitalismus entstand:

Erst in der kapitalistischen Ära begannen die Menschen, sich hinter verschlossene Türen zurückzuziehen. Das Leben des Bürgers war eine private Angelegenheit. Obwohl die Menschen eine öffentliche Rolle annahmen, spielte sich ein Gutteil ihres Alltagslebens in abgeschiedenen Räumen ab. Zu Hause lebte man noch isolierter in separaten Räumen, jeder mit seiner eigenen Funktion – Salon, Musikzimmer, Bibliothek usw. Zum ersten Mal begann man sogar in getrennten Betten und Zimmern zu schlafen. Einhegung und Privatisierung des menschlichen Lebens gingen Hand in Hand mit der Einhegung und Privatisierung der Allmenden. In der neuen Welt des Privateigentums, wo alles auf die Dichotomie »mein« und »dein« reduziert war, nahm die Idee eines autonom Handelnden, inmitten seiner Besitztümer und von der Welt Abgeschnitten, ein Eigenleben an. Das Recht auf Privatleben wurde zum Recht auf Ausschluss des anderen.

Jeremy Rifkin“Die Null-Grenzkosten-Gesellschaft: Das Internet Der Dinge Kollaboratives Gemeingut Und Der Rückzug Des Kapitalismus”

Grundrechte wie das auf Privatheit sind nur schwer mit einer extremen Vision einer Ökonomie zu vereinbaren, die Rifkin mit dem Internet der Dinge erträumt – und die andere längst parodieren, wenn sie IoT-Erfindungen zur Messung des Stuhlgangs in schickem Design auf auf Webseiten packen.

Andererseits – die positive Utopie einer Gesellschaft, in der ein ökonomisches System wie der Kapitalismus trotz seiner scheinbaren Allgegewart und Unüberwindbarkeit in Frage gestellt werden kann, beinhaltet, dass wir uns nicht nur um bürgerliche Grundrechte bemühen, sondern auch die Frage nach der ökonomischen Teilhabe neu stellen. Es kann durchaus auch politisch über eine andere Ökonomie entschieden werden. Den alten Griechen würde es ob dieser linguistischen Widersprüchlichkeit grausen. Was haben Dinge, die den Haushalt und die Privatsphäre betreffen denn zu tun mit Dingen, die den Staat betreffen? Im Wortsinne wäre eine politische Ökonomie nichts für die alten Griechen.

Die aktuellen Griechen mögen das anders sehen. Politics? It’s the economy, stupid!

Perhaps the most significant dimension of the neoliberal triumph is what has come to be known as the “democratic deficit”. Rivers of crocodile tears have flowed over the decline of our great democracies during the past three decades of financialisation and globalisation. Marx would have laughed long and hard at those who seem surprised, or upset, by the “democratic deficit”. What was the great objective behind 19th-century liberalism? It was, as Marx never tired of pointing out, to separate the economic sphere from the political sphere and to confine politics to the latter while leaving the economic sphere to capital. It is liberalism’s splendid success in achieving this long-held goal that we are now observing. Take a look at South Africa today, more than two decades after Nelson Mandela was freed and the political sphere, at long last, embraced the whole population. The ANC’s predicament was that, in order to be allowed to dominate the political sphere, it had to give up power over the economic one. And if you think otherwise, I suggest that you talk to the dozens of miners gunned down by armed guards paid by their employers after they dared demand a wage rise.

Yanis Varoufakisi“How I Became an Erratic Marxist”

Auszeit

An dieser Stelle hätte ein interessanter Blogartikel stehen können, vielleicht mal wieder über ein Programmierprojekt. Aus gesundheitlichen Gründen kam es diese Woche nicht dazu. Schauen wir, was die nächste Woche bringt…

Hackerspaces im Landtag NRW

Am 15. Januar war ich eingeladen, zusammen mit Mic “nomaster” Szillat etwas zum Thema “Hackerspaces als neuer Kulturraum” zu erzählen und zwar im Ausschuss für Kultur und Medien des Landtags von Nordrhein-Westfalen. Auf die Tagesordnung des Ausschusses gesetzt wurde der Punkt von der Piratenfraktion im Landtag, darum bemüht hatte sich insbesondere Lukas “maltis” Lamla.

Unsere Präsentation vor dem Ausschuss ist als Google-Doc einzusehen.

So einen Programmpunkt in einem Landtagsausschuss gab es nicht zum ersten Mal, 2012 stellten Lars Weiler aka Pylon und Frank Rieger bereits Hackerspaces im Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses von Berlin vor. Pylon hatte zu der Anhörung auch gebloggt.

Geplant und durchgeführt war die Präsentation als erster Aufschlag, um die Abgeordneten mit dem Thema vertraut zu machen. Dafür war es erfolgreich, so zumindest meine Wahrnehmung. Aus allen Parteien gab es ehrliches Interesse. Die Frage eines Abgeordneten der FDP, ob Hackerspaces als eine Art “anarchistische Volkshochschule” zu verstehen seien fand ich besonders originell und aufschlussreich. Insgesamt zeigte sich wohlwollendes Nicken in der Runde, besonders bei Themen, die bei der Durchschnittsbevölkerung noch als Science-Fiction verstanden werden (3D-Drucker) oder wenn es Anknüpfungspunkte zur Lebensrealität der Abgeordneten gab (Foodhacking, Theater in Hackerspaces). Aus dem Ministerium gab es nach der Präsentation Feedback und Interessensbekundungen.

Und jetzt? Jetzt gilt es, politische Ideen und vielleicht sogar ein actionable Item in Form eines Antrags aus dem zu machen, was in der Hackerspace-Bewegung an Ideen vorhanden ist. Hackerspaces sind sicher nicht so einfach zu fördern wie das Stadttheater um die Ecke, ihre extrem lockere (aber international vernetzte) Struktur, ohne “Bundesverband der Hackerspaces, Landeskammer NRW” macht es nicht einfach, einen Dialog zu führen — andererseits ist diese Struktur aber auch gerade die Stärke der Bewegung. Eine experimentelle Annäherung an Förderungsstrukturen für lose vernetzte Akteure im Bereich der elektronischen Kunst wurde bereits in Wien versucht. Netznetz Mana dient nach dem epischen Scheitern aufgrund von Ego-Inkompatibilitäten und eingestellter Förderung aber vielleicht eher als schlechtes Beispiel, aus dem wir lernen können…

Die Forschung zum Thema Kulturförderung von Hackerspaces hat gerade erst begonnen. Vermutlich ist das Katzenhüten hier eine Herausforderung, mit dem die Förderung der freiesten aller freien Theatergruppen nicht mal im Ansatz verglichen werden kann.

Mein Internet ist leer! Was könnte ich sonst noch lesen?

Zum Glück gibt es im Internet mehr als genug Links. Zum Lesen bleibt immer etwas. Es gäbe diesen Artikel darüber, warum sich die Elite im Silicon Valley neuerdings für das Bedingungslose Grundeinkommen interessiert:„Basic income, it turns out, is in the peculiar class of political notions that can warm Leninist and libertarian hearts alike. Though it’s an essentially low-tech proposal, it appeals to Silicon Valley’s longing for simple, elegant algorithms to solve everything. Supporters list the possible results: It can end poverty and inequality with hardly any bureaucracy. With more money and less work to do, we might even spew less climate-disrupting carbon.

Dann ist da noch ein Fanzine für Sci-Fi mit afrikanischer Perspektive: omenana aus Nigeria.

Dieser Text von Martin Fowler (der mit dem Refactoring) ist auch sehr lesenswert: DiversityMediocrityIllusion. „A common argument against pushing for greater diversity is that it will lower standards, raising the spectre of a diverse but mediocre group. To understand why this is an illusionary concern, I like to consider a little thought experiment.

Oder die Seite von afriLeaks: „afriLeaks allows you to leak confidential documents of public interest. We’ve designed a system that helps you to share these materials while protecting your own identity, making it very hard to identify you as the source of the leak. AfriLeaks is run by an alliance of African news organisations that are committed to speaking truth to power. You will be able to send us documents and select which of our member organisations should investigate it. This site also helps you to stay in touch and answer further questions without revealing your name or contact information.

Interessant ist auch dieses Experiment zu Urban Gardening und den Commons, über Schafe in der Stadt: Stadtschnuggen.

Vielleicht habt ihr ja schon den Artikel von Cory Doctorow gelesen „How Laws Restricting Tech Actually Expose Us to Greater Harm“ oder die New Clues von den Autoren des Cluetrain Manifesto. Wenn nicht, könnt ihr das nachholen.

Es gibt aber auch Lesestoff zur Urheberrechtsproblematik in der Modebranche: „The Piracy Paradox: Innovation and Intellectual Property in Fashion Design“. Und aus Polen stammt eine Textsammlung mit Zukunftsvisionen zum Immaterialgüterrecht: „Right to Culture: Future Scenarios“.

Bei so viel Stoff zum Lesen ist es ganz gut, dass die Zukunft zumindest in einem Bereich hoffnungsvoll aussieht: „Live for ever: Scientists say they’ll soon extend life ‘well beyond 120’“.

Einhegungen fallen nicht vom Himmel

Aaron Swartz starb heute vor zwei Jahren. Das Internet ohne Einhegungen auf Grundlage der Allmende war bereits schon dabei, parzelliert und eingezäunt zu werden.

Information is power. But like all power, there are those who want to keep it for themselves. The world’s entire scientific and cultural heritage, published over centuries in books and journals, is increasingly being digitized and locked up by a handful of private corporations. Want to read the papers featuring the most famous results of the sciences? You’ll need to send enormous amounts to publishers like Reed Elsevier.

There are those struggling to change this. The Open Access Movement has fought valiantly to ensure that scientists do not sign their copyrights away but instead ensure their work is published on the Internet, under terms that allow anyone to access it. But even under the best scenarios, their work will only apply to things published in the future. Everything up until now will have been lost.

That is too high a price to pay. Forcing academics to pay money to read the work of their colleagues? Scanning entire libraries but only allowing the folks at Google to read them? Providing scientific articles to those at elite universities in the First World, but not to children in the Global South? It’s outrageous and unacceptable.

Einhegungen, die aus einer Gemeinwirtschaft Privatbesitz schaffen, finden nicht über Nacht statt. In England begann die Transformation der Landwirtschaft im 16. Jahrhundert und war im 19. Jahrhundert abgeschlossen. Der Höhepunkt der Einhegungen lag zwischen 1760 und 1832, danach waren in Großbritannien die mittelalterlichen Strukturen so gut wie verschwunden, es gab das Konzept des gemeinwirtschaftlichen Landbesitzes nicht mehr.

Am Ende der Transformation war die Idee von Land, dass sich nicht in Privatbesitz befand, bereits so aus dem Bewusstsein verschwunden, dass der bloße Gedanke, über Privatgrundstücke könnten etwa Eisenbahnlinien geführt werden, von Liberalen als “Diebstahl” bezeichnet wurde.

George Orwell, der in einer Reihe von Kommentaren für die linksgerichtete Tribune in den 1940er Jahren davon schrieb, sah sich durch einen Kommentator eben dieses Vorwurfs ausgesetzt: Privateigentum an Land für die Allgemeinheit zu nutzen ist Diebstahl.

Daran zu erinnern, wie Landbesitz überhaupt zustande gekommen war, dass es kein vom Himmel gefallenes Naturrecht ist, sondern tatsächlich in einem Transformationsprozess mit Gewalt der Allmende entrissen wurde, war 1944 schon beinahe eine revolutionäre Aussage. Der englische Landadel hatte das Land der Gemeinwirtschaft schlicht unter sich aufgeteilt, mit keiner anderen Legitimation, als der, dass sie zur Durchsetzung ihrer Interessen Gewalt und Staat benutzen konnten. Die Grundlage der Agrarrevolution in England und Wales, die Verarmung der Landbevölkerung und die Freisetzung von Arbeitskräften für die Industrielle Revolution hatte keine andere Legitimation als die, dass die Interessengruppen des Landadels es einfach getan hatten.

If giving the land of England back to the people of England is theft, I am quite happy to call it theft. In his zeal to defend private property, my correspondent does not stop to consider how the so-called owners of the land got hold of it. They simply seized it by force, afterwards hiring lawyers to provide them with title-deeds. In the case of the enclosure of the common lands, which was going on from about 1600 to 1850, the landgrabbers did not even have the excuse of being foreign conquerors; they were quite frankly taking the heritage of their own countrymen, upon no sort of pretext except that they had the power to do so.

Erst sehr viel später setzte das Bewusstsein dafür ein, dass Wirtschaften mit Gemeingut nachhaltiger möglich ist. Elinor Ostrom, die 2009 als erste Frau den Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften für ihre Arbeiten zur Gemeinwirtschaft bekam, befasste sich mit der Frage, wie sich Menschen organisieren, um gemeinschaftlich komplexe Probleme zu lösen. Sie analysierte, wie institutionelle Regeln sich auf Handlungen von Individuen auswirken, die bestimmten Anreizen ausgesetzt sind, Entscheidungen treffen (müssen), und sich zudem noch gegenseitig beeinflussen, und sie zeigte praktikable, gerechte und effiziente Lösungen für diese Probleme auf.

In Brasilien oder Indien entstanden soziale Bewegungen, die sich der revolutionären Erkenntnis widmeten, dass Gemeingut eben nicht von Natur aus eingezäunt werden muss, sondern gemeinsam verwaltet und bewirtschaftet werden kann. Dabei geht es nicht mal um utopische Forderungen wie die Abschaffung von Privateigentum — dieses bleibt neben der Allmende bestehen. Es geht darum, gleichberechtigt einen Raum zu schaffen, in dem kollaborativ, verantwortungsvoll und gemeinsam an der Grundlage des gemeinsamen Überlebens gearbeitet wird und die Schaffung von Einhegungen für das, was vorher nicht eingehegt war, nicht zu ohne Argumente zu akzeptieren.

Dem Internet und der Wissensallmende drohen Einhegungen, die von Landadeligen des 12. Jahrhunderts schrittweise vorgenommen werden, mit keinem anderen Argument als dem, dass es ihnen möglich ist. In Deutschland wurden Hecken und Grenzsteine etwa ab 2004 beim sogenannten Zweiten Korb der Urheberrechtsreform gesetzt, durch den die Rechte der Nutzerinnen und Nutzer eingeschränkt wurden und das Recht auf Privatkopie entstellt wurde. Das Leistungsschutzrecht für Presseverleger ist eine Einhegung der Wiesen und Felder der Allmende im Internet mit keinem anderen Argument als dem, dass es eben mit Lobbyarbeit von Verlagen wie der Axel Springer SE möglich ist, diese als Gesetz durchzusetzen.

Es gibt keinen naturgegebenen Grund dafür, die Allmende zu zerstückeln und einzuhegen, wenn wir sie auch gemeinsam beackern können. Wir können mit Elinor Ostrom wirtschaftswissenschaftlich zeigen, dass Zusammenarbeit möglich und nachhaltig ist und moralisch ist das Argument “Ich kann es euch wegnehmen, weil ich es euch weggnehmen kann” einem kulturoptimistischem gemeinschaftlichen Wirtschaften nicht überlegen.

Im schlimmsten Fall sind Einhegungen tödlich. Am zweiten Todestag von Aaron Swartz lohnt es sich daran zu erinnern, dass durch Einhegungen der Wissensallmende einem großen Talent die Luft zum Atmen genommen wurde. So wie für den Suizid von Alan Turing die menschenverachtenden homophoben Gesetze der damaligen Zeit und die, die sie geschaffen haben, politisch verantwortlich sind, ist der Wahnsinn der Urheberrechtsextremisten verantwortlich für Aarons Tod. Copyright kills. An den Händen der Urheberrechtsextremisten klebt sein Blut.

Vollkommen subjektive Auswahl — was ich mir auf dem #31c3 ansehen werde (wenn ich dazu komme)

Der 31. Chaos Communication Congress naht. Das Programm ist prall gefüllt mit wirklich hervorragenden Vorträgen und anderen Events. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass es trotzdem schwierig ist, den Congress zum Anhören von Vorträgen zu planen, dafür passiert an allen Ecken einfach zuviel. Spätestens am zweiten Tag schmeisst man das sorgsam ausgearbeitete Programm über den Haufen und bleibt in einer Ecke kleben, wo verrückte Menschen gerade an etwas arbeiten, was unbeschreiblich ist und trotzdem hat man einen Congress erlebt, der unvergleichlich ist. Vielleicht ist es wichtiger, sich mit der Checkliste der mitzubringenden Sachen zu beschäftigen, als mit dem Programm. Da Vorträge aufgezeichnet werden, kann man sie später ja noch nachschauen — allerdings könnte das gleich zum nächsten Trugschluss werden: Wenn die “schau ich mir lieber in der Aufzeichnung an”-Liste zu lang wird, ist es dann auch wieder Dezember 2015, bis man sie durch hat.

That being said: Eine kleine Auswahl von Vorträgen, die ich in Erwägung ziehe, folgt. Große, für viele sozial wichtige Veranstaltungen (Jahresrückblicke etc.) habe ich erstmal nicht aufgeführt.

Tag 1

Die Keynote von Alec Empire versuche ich mir mal anzusehen. Wird bestimmt hyperreal und noisy. Von Alec Empire stammte schon die Musik zum Trailer vom letzten Jahr.

Dann gehe ich in Saal 2, zu Trustworthy secure modular operating system engineering von hannes und David. Hannes träumt seit ein paar Jahrzehnten vom Ausstieg aus der Unix-Technologie weltweit und jetzt sieht es so aus, als könnte es was werden, mit einem Betriebsystem, dass die Schwächen von C hinter sich lässt, indem es konsequent in OCaml implementiert wird. Diesmal ist es kein wilder Traum, sondern tatsächlich etwas, was u.a. mit Unterstützung der Uni in Cambridge echten Wumms erzeigen könnte.

Danach folgt das Zentrum für politische Schönheit: Mit Kunst die Gesellschaft hacken, also die mit den Mauerkreuzen an der EU-Aussengrenze und der Belohnung von 25.000€ für die Verhaftung der Eigentümerfamilie der Firma Krauss-Maffei Wegmann.

Parallel dazu findet ein Vortrag statt, den ich dadurch erst später sehen kann: Let’s build our own personalized open textile production line. Schade, denn Open Source auf andere Bereiche der Ökonomie übertragen ist ein richtig spannendes Thema.

Ganz, ganz dick im Kalender steht bei mit der Vortrag zu Jugend hackt, nicht nur, weil ich in den letzten beiden Jahren das Projekt als Mentor mitbegleitet haben, sondern auch, weil ich alle Vortragenden total toll finde.

Später am Abend werde ich vielleicht bei Crypto Tales from the Trenches reinschauen, wo u.a. Laura Poitras davon berichtet, wie sie sich als Journalistin im direkten Kontakt mit Edward Snowden vor Ausspähung versuchte zu schützen. Anschliessend wird ihr Film CITIZENFOUR gezeigt.

Tag 2

Vermutlich werde ich in Programming with dependent types in Idris gehen, weil ich eine Schwäche für Forschung im Bereich Programmiersprachen habe (und wir das Thema im Curry-Buch auch kurz anscheiden). Allerdings läuft parallel Security Analysis of Estonia’s Internet Voting System. Hm, mal sehen.

Klar ist dann allerdings Das Transparenzportal Hamburg. Mit dem Hamburger Transparenzgesetz hatte ich ja auch schon Erfahrungen gemacht.

Später dann: Fernvale: An Open Hardware and Software Platform, Based on the (nominally) Closed-Source MT6260 SoC, was ich hauptsächlich auf dem Zettel habe, weil der Open-Hardware-Aktivist bunnie vorträgt und ich sein Projekt zum offenen Laptop so spannend finde.

Tag 3

An Tag 3 tritt das c-atre auf, was ich mir an dem Tag zwischen Lampenfieber und Rumgerenne überhaupt ansehen kann, wird sich zeigen. Unser Stück zu Urheberrecht und Zeitreisen The Time is Right gibt es am Abend, davor ist aber noch reichlich Programm.

Correcting copywrongs von meiner Lieblings-Abgeordneten im EU-Parlament ist gesetzt. Wird der Hammer.

“Exploit” in theater klingt nicht uninteressant und hat auch was mit Theater zu tun, wenn es klappt, dann schau ich mir das vielleicht an.

IFG – Mit freundlichen Grüßen, völlig angemessen in Saal 1, könnte ein Knüller werden. Letzter Jahr startete nach dem Congress-Vortrag von Stefan Wehrmeyer die Debatte um das Zensurheberrecht. Ich erwarte eine ähnliche Bombe dieses Jahr :)

Dann ist Theater. Parallel zu unserer Aufführung gibt es einen Vortrag zu Computer und Informatik in Nordkorea, den ich dann wohl als Aufzeichnung sehen werde.

Tag 4

The rise and fall of Internet voting in Norway klingt interessant, wenn ich um die Uhrzeit schon aufnahmefähig bin.

Attribution revolution ist für mich auch beruflich ein Must. Mal sehen, ob sich Ideen aus dem Vortrag für ein Projekt bei uns nutzen lassen.

Dann habe ich noch das Closing Event auf dem Zettel. Und natürlich Party.

Wird das alles klappen? Ich fürchte nicht. Aber aufgeregt bin ich schon beim Durchsehen des Programms…

Links, frische (und halbfrische) Links!