DIE GRÜNEN befürworten eine bedürfnisorientierte Technikentwicklung auch im Kommunikationsbereich. DIE GRÜNEN unterstützen den Widerstand gegen IuK-Techniken und fordern:
• Ausweitung der Mitbestimmungsrechte über Betriebe und Branchen hinweg, um der übergreifenden technischen Vernetzung begegnen zu können.
• Verbot von Personalinformationssystemen und sonstiger Systeme, die geeignet sind, die Beschäftigten zu verdaten.
• Keine Digitalisierung des Fernsprechnetzes.
• Keine Dienste- und Netzintegration im Fernsprechnetz (ISDN).
• Keine Glasfaserverkabelung (Breitband-ISDN).
• Stopp des Kabel- und Satellitenfernsehens.
• Wirksame parlamentarische Kontrolle der Post.
Es geht los
Ich bin ganz aufgeregt. Heute geht es dann wirklich los bei Wikidata, dem Projekt, was das Internet ein bisschen umkrempeln könnte. Am Freitag gab es eine Pressekonferenz zu dem Thema und das Echo war ganz ansehnlich.
Techcrunch schrieb enthusiastisch “Wikipedia’s Next Big Thing: Wikidata, A Machine-Readable, User-Editable Database Funded By Google, Paul Allen And Others”, etwas nüchterner war Netzpolitik.org mit “Wikidata: Strukturierte Daten für Wikipedia & Co.” und auch die Tagesschau hatte was, wenn auch nur am Rande.
Jetzt müssen wir das “nur noch” programmieren. Drückt uns die Daumen!
Webdevelopment und sonstiger Geek-Kram, der anfiel — eine kleine Liste gefunderer Links mal wieder
- Using Django outside of Django — wenn ein IRC-Bot oder sonst ein Wesen der Nacht auf die Django-Datenstruktur zugreifen soll
- Schnitzelpress is a Blogging Engine for the modern Web — Im Wesentlichen Octpress mit einer Datenbank
- AskGeo | Latitude and Longitude to Time Zone Conversion Web API — wie heisst die Zeitzone von dem Ort, wo ich gerade bin, in Unix-Sprech?
Die hintereinander aufgerufenen Monadenerklärungsmonaden
Was mir nicht klar war: Dass die Erklärung von Monaden ein komplettes Genre der Computerliteratur ist, mit einem stetigen Wachstum an Output seit 2000. Und warum?
I don’t know if I’m exaggerating but it seems like every programmer who gets monads posts a tutorial about them. (And each post begins with: There’s already a lot of monad tutorials on the Internet, but…) The reason is that getting monads it’s like a spiritual experience that you want to share with others.
Sneak preview

Gerade lese ich ein bisschen, weil Dinge ihren Schatten vorauswerfen.
2012: Schreckensvision einer fernen Zukunft
Der folgende Bericht mag schockieren, doch er basiert auf Tatsachen. Alle mit Anführungszeichen und Seitenzahlen gekennzeichneten Zitate stammen aus dem Buch “Vorsicht Volkszählung! Erfaßt, vernetzt und ausgezählt.” herausgegeben von Roland Appel und Rainer Osnowski Dieter Hummel, erschienen im Kölner Volksblatt Verlag 1987
Äußerlich hat sich die Welt in den letzten 25 Jahren nicht stark verändert. Noch immer ist die Welt in zwei Machtblöcke gespalten, der Osten unter Führung der Sowjetunion, die von Generalsekretär Gorbatschow mit eiserner Faust geführt wird auf der einen Seite und der uns bekannte Westen, in dem sich die Bundesrepublik wirtschaftlich und politisch an den USA orientiert. Abgeschlagen und ökonomisch bedeutungslos liegen dahinter die Staaten, die sich zu keinem der beiden Blöcke bekennen und mehrheitlich der sogenannten “Dritten Welt” zuzuordnen sind, etwa die Länder Afrikas oder China.
Aber wenn ein Zeitreisender aus dem Jahr 1987 unsere Welt heute betreten würde, es würde ihm schwerfallen, das wieder zu erkennen, was seinerzeit als der “freie Westen” bezeichnet wurde. “Erfaßt, vernetzt und ausgezählt” fristen die meisten Menschen im westlichen Teil Deutschlands ihr Dasein. ”Die Informations- und Kommunikationstechniken – also Computertechnik, Mikro- und Optoelektronik, Robotertechnik, Telekommunikationstechniken usw. – geben die Möglichkeiten, eine allgegenwärtige Infrastruktur zur Erfassung, Speicherung, Verarbeitung und Weiterleitung von Informationen zu schaffen.” (S. 208). ”Besondere Aufmerksamkeit verdient der Charakter der I&K-Techniken als universeller Kontrolltechnik.” (S. 209).
Wie konnte es zu diesem Überwachungsstaat von Orwellschem Format kommen? Der Anfang war, wie so oft, harmlos, auch wenn es 1987 schon erste besonnene Mahner gab. Die Verdatung kam auf leisen Sohlen unter dem Namen ISDN über uns. Damals warnten Kritiker: ”Hinter der Abkürzung verbirgt sich “Integrated Services Data Network” – also ein verschiedene Dienste integrierendes, digitalisiertes Datennetz. Landläufig das, was eines Tages das Glasfasernetz für alle darstellen soll. Bei diesem Übertragungssystem werden gesprochene Worte wie Computerdaten in binäre (+, -) Impulse zerlegt und übermittelt. Derzeit ist dabei weder die Funktionssicherheit gewährleistet, noch Datenmißbrauch auszuschließen, da mit der Möglichkeit, innerhalb kürzester Zeit Millionen von Daten übertragen zu können, die Fähigkeit zum Datenschutz sinkt.” (S. 189)
Das zweite Standbein des Überwachungsstaates ist — ganz wie bei Orwell — der Fernsehschirm des Großen Bruders: ”Die derzeitige Bundesregierung hat es sich zum Ziel gesetzt, allen Bundesbürger/innen in möglichst kurzer Frist ein neues Kabelnetz in die Wohnung zu legen. Was derzeit unter dem zynischen Werbeslogan ‘mehr erleben’ angepriesen wird, ist die Vorstufe eines Gesamtsystems, dessen Erprobung noch aussteht, für das die Hersteller von Datenverarbeitungsmaschinen sich jedoch mit dem Deutschen Bundestag ein besonders exklusives Experimentierfeld geschaffen haben.” (S. 190)
Geradzu blind rannte die Gesellschaft vor 25 Jahren in ihr Verderben, als sie die offensichtlichen Parallelen zwischen Atomkraft und digitaler Übertragung von Sprache nicht erkannte, obwohl beispielsweise Robert Jungk vor dem “Atomstaatsyndrom” bei der I&K-Technik warnte: ”Eine so riskante Technik wie die AKW-Technik, bzw. die auf ihrer Grundlage aufgebauten Betriebe kann der Staat ebenso wenig einfach in der Gegend herumstehen lasssen wie die Einrichtungen der I&K-Techniken, von denen die Gesellschaft in wachsendem Maße abhängig wird.” (S. 213)
Seufzend fragen wir uns im Jahr 2012, ob wir es denn hätten verhindern können. Wieder einmal hätte der Lauf der Geschichte gestoppt werden können, wenn nicht einzelne Profiteure der Verdatung vorgeprescht wären oder zumindest rechtzeitig gestoppt worden wären, bevor sie ihr Unheil anrichten konnten. Doch wir alle hatten die Heuschrecken des Überwachungsstaates unterschätzt, die die Einführung von IuK-Techniken in allen gesellschaftlichen Bereichen der Bundesrepublik um jeden Preis ergaunern wollten: ”Nur so bekommt es auch einen Sinn, daß die CDU-Fraktion mit der Anschaffung von 150 Wang-Computern im Herbst 1986 bereits irreversible Fakten geschaffen hat.” (S. 189) Und nicht nur aus dem bürgerlichen Lager kamen die Überwacher, der Verrat kam direkt aus dem Herzen der aufgeklärten Linken, die immerhin eine Unterkommission zur Erprobung und Einführung “neuer Informations- und Telekommunikationstechnologien” im Parlament installieren konnte, wenn sich dies jedoch als bitterster Pyrrhussieg von allen herausstellte und den Überwachungsstaat seinerzeit besiegelte: ”Vorsitzende ist die vom Spiegel ehemals als ‘links’ eingeordnete SPD-Abgeordnete Sigrid Skarpelis-Sperk, die sich bereits 1980 bei ihrem Einzug ins ‘Hohe Haus’ damit hervortat, daß sie erst einmal ‘auf eigene Kosten’ ihr Büro mit einem Schreibcomputer ausstattete.” (S.188)
Resteessen vom 28C3
Ich wünschte, ich könnte mehr zum 28C3 sagen, aber dazu müsste ich meine Gedanken erstmal ordnen. Immerhin kann ich überhaupt wieder etwas sagen und bin nicht mehr abgetaucht im Strudel der Ereignisse. Hier ein paar wirklich grobe Gedankensplitter:
Beim Anschauen des Panels “Geeks and Depression” habe ich viel gedacht, auch viel, was zu persönlich ist, aber eine Idee möchte ich dann doch teilen: Sollte es irgendwann einmal eine parteinahe Stiftung der Piratenpartei geben, soll sie bitte ”Florian Hufsky Stiftung” heissen.
Jaja, “#28c3 - The only place in the known universe where bitcoin is still relevant.” — dafür gab es dann aber doch einige Talks zu dem Thema. Und bei mir im Kopf entstand die Idee, ob man ein Mixmaster-System aufbauen könnte, in das man BitCoin einzahlt und das dann anonymisiert und verteilt über verschiedene PayPal-Accounts und Kreditkarten gestückelt das Geld an einem anderen Ende wieder auszahlt. Ist das überhaupt legal oder Geldwäsche? Und ist das wichtig, darüber nachzudenken oder typisch deutsch?
Die Spackeriade war großartig, nur ein Talk war ein bisschen schwach, der Rest hat mich inspiriert. Eine längere Veranstaltung, vielleicht in Form eines Post-Privacy-Camps, fände ich nicht falsch.
r0ket. Damit muss ich in Zukunft noch viel mehr basteln. Und um sie auf dem Mac zu flashen braucht man kein Ubuntu in einer VM, dank Lotterleben.
Roböxtica 2011: All filled up by machines of loving grace
There are bytes in the air, and Turing machines *everywhere* .
Man soll Ereignisse verbloggen, bevor es zu spät ist. Schon viel zu lange her ist mein Besuch in Wien, wo ich am 1. bis 4. Dezember 2011 an der Roböxtica teilnahm, einem u.a. von der Kunst-, Theorie- und Bastelneigungsgruppe monochrom veranstaltetes Festival für Cocktailrobotik:
“Wien ist die Hauptstadt der Cocktail-Robotik”, verkündet Johannes Grenzfurthner (Bild) stolz. Er ist Teil der Künstlergruppe monochrom, die heuer wieder gemeinsam mit dem Kollektiv Shifz zur Roboexotica laden. Bei dem seit 2002 stattfindenden Festival im Kunstkontext schenken Roboter verschiedenster Art Cocktails aus.
Drei Tage Trinken und Theorie mit Robotern (u.a. war ich auf einem eher spontan organisierten Panel zum Thema “Out of Control”) zehrten ganz schön an der Substanz, aber das Erlebnis war wunderschön. Wäre ich nicht selbst da gewesen, ich wäre neidisch auf mich.
Mein eigenes Projekt hieß ”PrecariBot: A Twittering Tip Jar in Times of Precarious Work”:

Precariedad. Precariedade. Précarité. Precarietà. Prekariat. Precarity. Non- standard employment which is poorly paid, insecure, unprotected, and cannot support a household is on the rise in Europe, especially in the service industry. While drink-mixing robots and machines represent the fun side of Post-Fordism in bars, let’s talk about money here.
The PrecariBot is a simple, Arduino-based tip jar. Customers, probably “first- stage gentrifiers” in the neighborhood of the bar, possessing the relevant cultural capital and smart phones, get lured in by the technological novelty of tipping using a QR code and the peer-to-peer currency of Bitcoin. The tip jar will spread messages of precarious work on Twitter with every tip received. At the end of the month, those registered as precarious workers with the tip jar get an e-mail message that asks them to organize and redistribute the acquired wealth.
Das twitternde Trinkgeldglas, das Bitcoins entgegennimmt und prekäre Arbeit thematisiert, war eher ein Prototyp — auch wenn alles funktionierte und zweimal auch von mir Unbekannten Besucherinnen oder Besuchern der Ausstellung Geld “eingeworfen” wurde. Ich will aber in den nächsten Wochen daran arbeiten, es tatsächlich in Cafes und Restaurants zu bringen. Dann gibt es auch den dazugehörigen Sourcecode online. Versprochen. Prost, Fordismus!
Ein Höhepunkt der Ausstellung war für mich neben verschiedenen Maschinen, die mehr oder weniger kompliziert Cocktails zubrereiteten oder servierten, ein Roboter, der alkoholische Crêpes herstellte — oder wie man in der österreichischen Varietät des Deutschen sagt: Palatschinken, ein Wort entlehnt aus tschechisch palačinka zu lateinisch placenta „Kuchen“. Lecker!

Hackerbrause zum Lesen
Die letzten Monate haben ihdl, yetzt und ich damit verbracht ein Buch über Hackerbrausen zu schreiben. Jetzt ist es Ende Dezember endlich soweit — gerade noch rechtzeitig für die letzten geekigen Weihnachtsgeschenke erscheint „Hackerbrause kurz&geek“ im O’Reilly Verlag. Alle weiteren Infos, Vorbestellmöglichkeiten und ein Link zu einem Probekapitel findet ihr auf hacker.brau.se
Wie ich das Geld auf der Straße fand und was ich damit tat nachdem ich es gefunden hatte
You—sitting right there, reading this article—you’re an avatar in Second Life. You work a Second Life job, earning Linden dollars. You have blue hair and a serpentine tail, and you’re dating an androgynous digital skateboarder named Rikki. Also, you are a ninja. Life is great.
At least, that’s the way things were supposed to unfold. In 2006, the future was Second Life. Business Week put Second Life on the cover. American Apparel, Dell, and Reebok, among many others, rushed to build virtual storefronts. Reuters even created a full-time Second Life bureau chief. People rushed to sign up and create their own avatars. Blue hair and Linden dollars were the future.Looking back, the future didn’t last long. By the end of 2007, Second Life was already losing its fizz. “Businesses are shuttering in Second Life, it seems, because no one is using them,” wrote Morgan Clendaniel in a brutal piece in GOOD magazine. “There were never any employees at stores like Dell and Reebok when I visited, nor were there any customers. But that wasn’t that shocking because, for the most part, there seems to be no one in Second Life at all.”
Today, Second Life limps along. In the first half of 2011, the company reported that an average of about 1 million users logged in every month—which, you have to admit, is about 999,990 more than you expected. But during this same period, Facebook averaged roughly 500 million logins per month.
Etwa um 2006 habe ich auch das zweite Leben hinter mir gelassen. Das war kein bewusster Entschluss, etwa um gegen den Hype zu protestieren, der Second Life als Zukunft des Internets bis auf den Titel des Spiegels hochgelobt hatte, eher ein unbemerktes Ausschleichen nach einer langen Phase der Langeweile und der Frage danach, wozu Second Life eigentlich gut sein sollte. Ich hatte dort ein bisschen Go gespielt, weil ich es lustig und rekursiv fand, in einem 3D-Spiel ein etliche tausend Jahre altes Brettspiel zu spielen, ich war mit einer befreundeten Heise-Journalistin in eine Darkwave-Grufti-Disco gegangen und hatte mit dem Verkauf von Club-Mate in Second Life ein bisschen mit der spielinternen Ökonomie herumgebastelt.
Die meiste Zeit stand ich aber herum und war allein, denn Second Life war vor allem eins: ganz schön leer. Mein Avatar “Dumpling Gyoza” langweilte sich und mich. Ich wusste, dass die virtuelle Welt durchaus noch benutzt wurde, von Fetischfreund_innen wie Furries oder Goreanern als Spielplatz für Rollenspiele benutzt wurde, aber — wie man in England sagt — das war not my cup of tea.
Andererseits: Ich mag Software-Archäologie. Ich habe 2005 auf der GPN in Karlsruhe einen kleinen Vortrag über das längst vergessene Gopher-Protokoll gehalten und für das Chaos Communication Camp 2007 ein Textadventure geschrieben. Ich mag es, nostalgisch auf vergessene oder obsolet gewordene Medien oder Technologien zurückzublicken. Das war Grund genug, mich nochmal in Second Life einzuloggen — nachdem ich mein vergessenes Passwort zurückgesetzt hatte und den seit etlichen Jahren nicht mehr aktualisierten Client neu heruntergeladen hatte.
In Second Life gibt es eine spielinterne Währung, den Linden Dollar (L$). Mit L$ kauft man in der Spielwelt Land oder Klamotten oder man gibt dem DJ im Club ein kleines Trinkgeld. Monatlich (oder wöchentlich, ich weiss es nicht mehr) gibt es ein kleines Taschengeld, ansonsten müssen die L$ erarbeitet werden oder gegen Währungen aus der Welt jenseits des Videoschirms gekauft werden. Beim Login war ich überrascht: Durch nur wenige Jahre des Ignorierens hatte ich ein Taschengeld von über 20000 L$ erarbeitet, sozusagen Zinsen einer negativen Aufmerksamkeitsökonomie.
Für mich war klar, dass nur Kapitalflucht als Option in Frage kam. Aber anstatt in zukunftssichere Währungen wie griechische Drachmen zu investieren, beschloss ich mit meinem zufällig entdeckten L$-Vermögen die Kapitalflucht nach Bitcoin. In gewisser Weise ist Bitcoin der würdige Nachfolger von Second Life. Nach einem unvorstellbaren Hype in diesem Jahr, bei dem prophezeit wurde, dass die Peer-to-Peer-Währung alles umwerfen würde, brach die Aufmerksamkeit für das Projekt nach dem Crash im Juni 2011 ziemlich ein. Mit Mining oder heissen Geschäften ließ sich kein Vermögen mehr machen. Begeisterte Fan-Kids der Währung beteten zwar nach wie vor das Mantra “Jetzt ist genau die richtige Zeit, um Bitcoin zu kaufen”, aber das hatten sie auch schon gesagt, als der Bitcoin bei 30 US$ stand, dann bei 17 US$, bei 13 US$, bei 8,5 US$, bei 7 US$, bei 6,50 US$, bei 5 US$, bei 4 US$, und bei 3 US$. Irgendwann hört man nicht mehr zu. Und trotzdem: Es gibt noch Bitcoin. Nach wie vor ist es eine ziemlich ausgeklügelte kryptographische Lösung, an der sich etliche Sicherheitsexpert_innen die Zähne ausgebissen haben, ein pseudonymes Überweisungssystem für das Internet, das die PayPals der Welt schlecht aussehen lässt.
Wie PGP für Verschlüsselung wird es vermutlich in die Nerd-Nische verschwinden, aus der es gekommen ist, aber nicht sterben. Cypherpunk’s not dead, egal wieviele Nachrufe Wired dem Bitcoin-Hype spendiert. Das neoliberal-anarchokapitalistische Gestammel von der Bitcoin-Ökonomie fand ich immer verdächtig, das technische System dahinter allerdings durchaus schlau.
Bei VirWox war es relativ problemlos möglich, L$ in Bitcoin zu tauschen. Dazu muss man seinen Avatar nur in die virtuelle Region der Frankfurt Skyline teleportieren und an einem Automaten Geld einzahlen. Nachdem das Geld in Form von Bitcoin bei mir angekommen war, konnte ich mit dem ziemlich neuen, gerade erst erschienen Bitcoin-Client mein Vermögen in der wallet.dat-Datei ansehen. Nach ein bisschen Recherche im Bitcoin-Wiki hatte ich mich dann auch in die JSON-RPC-Schnittstelle eingefuchst und in Ruby ein Programm zusammengehackt, das mir meinen aktuellen Kontostand und den momentanen Wert in Euro ausgibt.
Es ist einer dieser Science-Fiction-Momente, wenn ich mich ökonomisch komplett in einer anderen Sphäre bewege als die meisten Menschen dort draussen. Es ist gleichzeitig aufregend und völlig bedeutungslos für die Weltökonomie von Occupy Wallstreet bis Euro-Krise. Ich habe vermutlich richtig viel Geld bei dem Tausch verloren. Geld, das ich nie besessen habe und das auf eine gewisse Art auch nie wirklich existiert hat. Vermutlich war alles nichts weiter als eine sinnlose Kunstperformance, wie sie die von mir hochgeschätzte Kunstgruppe monochrom schon vor einiger Zeit ganz ähnlich unter dem Namen Türme von Hanoi durchgeführt hatte. Aber, mal im Ernst: Was ist heutzutage nicht Performance?
Update: Um die Frage zu beantworten, die mir jetzt schon mehrfach gestellt wurde: Nach dem ganzen Hin und Her mit der Teleportation von Avataren und dem Wechsel virtueller Währungen bin ich jetzt um den Gegenwert von immerhin etwa 60 Euro reicher. Ich werde bei Gelegenheit davon vermutlich unter anderem einen leckeren Burger kaufen, den ich im einzigen mir bekannten Restaurant das Bitcoin akzeptiert, dem Room 77 in Kreuzberg, ganz unvirtuell geniessen werde.
